VÖ: 13. November 2009 Inside Out
Wenn Devin Townsend "ein Album voll rockendem Optimismus - das perfekte Album, um es sich ohne tiefere Bedeutung einfach nur laut anzuhören." aufnimmt, weiß jeder, daß selbst dann wahre Wunderwerke zu erwarten sind. Und genau dieses Kunststück vollbringt der Canadian Wizard auf dem zweiten Abschnitt seines vier Alben umfassenden Zyklus. Der Titel "Addicted" ist dabei wörtlich zu verstehen - dieses Album macht süchtig! Der kraftvolle Titelsong sorgt zu Beginn erstmal für Freiraum im Hirn und die für diese CD als vollwertiger weiblicher Gegenpart ins Boot geholte ex-The Gathering-Samtstimme Anneke van Giersbergen stellt sich schonmal dezent vor. Im Anschluss groovt "Universe in a ball!" unwiderstehlich wie Hölle. Man spürt die großen Weiten von "Ocean machine" oder "Accelerated evolution". Etwas Großes naht. Mit "Bend it like bender!" startet Townsend geradewegs seine Rockausrichtung und der Song explodiert mit einer locker über den Chorus-Beat tänzelnden Anneke van Giersbergen. Danach sind alle Schotten offen. Mit dem wuchtig-schönen "Supercrush!" betreten wir eine majestätische Welt, zu der nur ein Devin Townsend den Zugang kennt. Spätestens jetzt ist es komplett um mich geschehen, und ich begebe mich in den schwerelosen "Hyperdrive!". Die Neueinspielung des "Ziltoid"-Tracks mit Anneke's Gesang ist wie das Original ein Dimensionen-öffnendes Erlebnis der Sonderklasse. "Resolve!" ist danach quasi Townsend-sche Standard-Oberklasse, bis der Meister mit der Traum-Ballade "Ih-Ah!" voll auf die Freudentränendrüse drückt, und mit seiner Gegenspielerin ein gottgleiches Duett intoniert. Das einsame "The way home!" beschreitet er wieder selbst und hinterlässt pure Sehnsucht. Kurz vor Schluss schleppt und treibt sich "Numbered!" mit einem Jahrhundert-Chorus in die Ewigkeit, wobei ich Frau van Giersbergen von nun an offiziell in den Status eines weiblichen Townsend erhebe - in diesem Moment träume ich davon, fliegen zu können. "Awake!" ruft der Meister zum Ende, schneidert Anneke nochmal einen perfekten Chorus auf die Stimme und entlässt uns langsam in die menschenleere aber seelenvolle Nacht. So, liebe Leute - und warum gebe ich für dieses Meisterwerk nicht die Höchstnote? Ich traue mich einfach nicht, weil dieser Mann zwar eine eigene musikalische Liga ist, in der irdische Maßstäbe eh nicht greifen, er aber beim nächsten Mal definitiv wieder einen draufsetzen wird. Wetten?! (sw)
- 9,5/10 -
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