FUNERAL - As the light does the shadow

VÖ: 26. September 2008
Indie Recordings

"...und wanderte ich auch im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir..."
Puh! Das ist echt harter Tobak, den die "Erfinder des Funeral-Doom" uns mit ihrem neuen Output vorsetzen. Bis dato ist mir noch keine Band untergekommen, die auch nur ansatzweise an die Intensität der Könige der Traurigkeit herankamen - My Dying Bride. Forscht man im Internet, findet man schnell heraus, daß das Schicksal den Norwegern nicht gerade hold war (zwei Bandmitglieder verstarben zwischen 2003 und 2006). Umso erstaunlicher ist es, daß die Band mit "As the light does the shadow" ihr nicht nur stärkstes, sondern auch traurigstes Werk abliefert. Ein Todesmarsch schlurft hinter dem Nächsten. Die Sargträger ächzen unter dem Gewicht des schweren Taktes, der nur geringfügig, aber an den richtigen Stellen, variiert wird. Die Gitarren glänzen mit SlowMo-Riffs der Oberklasse und erinnern gerade in zweistimmigen Bereichen an die sterbende Braut aus England. Der erstmalige Einsatz eines vollen Orchesters (zu Recht!) sorgt nur noch für mehr gedrückte, aber auch erhabene Atmosphäre. Und inmitten der ganzen Huldigungen ergreift auch noch ein Gastredner das Wort. Niemand Geringerer als Robert Lowe (Solitude Aeturnus, Candlemass) präsentiert der Trauergemeinde "At the fathoms of wit and reason" und liefert wie erwartet eine wahrhaftige Weltklasseleistung ab. Doch Funeral machen nicht den Fehler und stellen diesen Doom-Hit als Album-Highlight dar. Direkt im Anschluß folgt in "Towards the end" der ergreifenste Refrain der knapp 72 Minuten. Intoniert vom aktuellen Geistlichen auf der Kanzel namens Frode Forsmo. Dieser hat die unglaubliche Fähigkeit fast eintönig, aber nie langweilig die letzten Verse zu sprechen, bevor es unwiderruflich gen Mutter Erde geht. Ganz zu Schweigen von den Choral-artigen Erhabenheiten mit Gitarrist Mats Nerberg. Am Schluß wird mit dem finalen A-Capella-Abgesang "Fallen one" die letzte Schaufel Sand auf das Grab gegeben, welche fast den identischen emotionalen Zerbrechlichkeitsfaktor wie My Dying Bride's "For my fallen angel" hat.
Um dieses Kleinod des Doom richtig zu geniessen, darf man auf jeden Fall nicht zu nah am Wasser gebaut sein. Oder man besitzt die Fähigkeit vernünftig damit umzugehen. In diesem Sinne - vive la tristesse! (sw)

- 9/10 -



 



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