IN FLAMES - Sounds of a playground fading

VÖ: 17. Juni 2011
Century Media

Zwei Dinge sind so sicher, wie das Amen in der Kirche. Erstens: Melodic Death Metal machen In Flames schon lange nicht mehr und werden auf ihrem 10. Studioalbum auch sicherlich nicht wieder damit anfangen - und zweitens: Den Weggang von Gründungsmitglied, Gitarrist und Hauptsongschreiber Jesper Strömblad wird man zweifelsfrei hören. Was den ersten Punkt angeht: Wen kümmert's? Klar, In Flames haben spätestens mit "Reroute to remain" (2002) so einige der alten Fans vergrault, aber (was letztendlich zählt) noch mehr neue hinzugewonnen. Seitdem gehen die fünf Schweden ihren Weg, der von konsequenter und konstanter Weiterentwicklung geprägt ist. Und genau das hört man nun eben auch auf "Sounds of a playground fading", einem Album - und hier kommen wir nun zum eingangs erwähnten zweiten Punkt - das wieder einmal ganz neues Kapitel aufschlägt. Jesper Strömblad ist Geschichte und wurde durch Engel-Gitarrist Niclas Engelin ersetzt, und für das Songwriting ist nun hauptsächlich Björn Gelotte verantwortlich, und genau der ist es auch, der das 10. In Flames-Album zum vermutlich ungewöhnlichsten, aber sicherlich auch einem der stärksten (neueren) Alben gemacht hat. Während Songs wie der eröffnende Titelsong oder "All for me" noch klassische In Flames Midtempo-Nummern sind, und sich die Vorabsingle "Deliver us" nach einer Weile als extrem starker und eingängiger Hit erweist, sind einzig "The puzzle" und "Enter tragdey" noch richtig flotte Headbanger. Zu meinem persönlichen "Überhit" ernenne ich hingegen "Fear is the weakness", der sich mit seiner grandiosen Melodie, dem packenden Refrain und den endgeilen (!) Iron Maiden-artigen Gitarren als einer der für mich stärksten In Flames-Songs entpuppt. Alleine dieser Song lässt die gesamte Konkurrenz alt (ganz alt!) aussehen. Ungewöhnlich hingegen ist das sehr ruhige und melancholische "The attic", das von Anders Fridén nicht gesungen, sondern gehaucht/geflüstert vorgetragen wird ... wirklich ganz stark! Wir wissen zwar nun alle, dass eben genau dieser Anders Fridén vielleicht nicht der beste Sänger ist, aber seine Leistung auf "Sounds of a playground fading" ist über weite Strecken wirklich überragend. So variabel und intensiv klang er selten. Richtig ungewöhnlich wird's dann bei "Jester's door", das wie eine krasse Mischung aus Björk und Enigma klingt (!), und beim abschließenden balladesken "Liberation", das eher wie der ultimative Radiohit einer der großen US-Rockbands durchgehen würde. Gerade die beiden letztgenannten Titel beweisen, dass In Flames ohne Jesper Strömblad eben NICHT panisch auf Nummer sicher gegangen sind, sondern ihr ganzes Können gebündelt haben, es noch steigern konnten ("Sounds of a playground fading" stellt den 2008er Vorgänger "A sense of purpose" definitiv in den Schatten), einmal mehr sämtliche Grenzen überschreiten (um die man sich in der Vergangenheit ja ohnehin nie gekümmert hat), und was mich am meisten überzeugt: Björn Gelotte schreibt begnadete Songs! (maz)

- 8,5/10 -



 



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