VÖ: 18. Februar 2011 Superball Music
Long Distance Calling sind zweifelsohne ein Ausnahmeerscheinung. 2006 als Projekt aus einer Laune heraus entstanden, stellte man beim gemeinsamen Proben fest, dass man die noch freie Position am Mikro einfach unbesetzt lässt, und somit eine reine Instrumentalband bleibt. Dass sowas funktioniert, wissen wir ja nicht erst seit Apocalyptica… Das schlicht mit dem Bandnamen betitelte dritte Album ist nun das definitiv facettenreichste und hypnotisierendste Album der Band. Mit geschlossenen Augen und über Kopfhörer gehört, taucht man für eine knappe Stunde in eine musikalische Welt ein, die zumindest ich in dieser Form so noch nicht erlebt habe. Sieben Songs voller betörender und teils sphärischet Klänge irgendwo zwischen Rock, Prog, Indie, Alternative und Metal - Long Distance Calling passen so wunderbar in keine Schublade. Versuche, musikalische Vergleiche zu finden, scheitern nahezu ebenso, wie das völlig unnötige Vorhaben, einen Anspieltipp zu suchen. Die Einflüsse reichen sicherlich von Pink Floyd und Led Zeppelin, über Tool und A Perfect Circle, bis hin zu Dream Theater und Rush - von jedem etwas, und von allem nur das Beste. Das aus Münster, Dortmund und Berlin stammenden Quintett kann zu jeder Zeit vollends überzeugen und vor allem restlos begeistern! Hier braucht es keinen (mehr oder minder begabten) Sänger, an dem sich der Hörer orientieren oder gar klammern kann. Long Distance Calling beherrschen die ganz große Kunst, dass man gar keinen Sänger vermisst. Jedes einzelne Instrument ist so packend und perfekt in Szene gesetzt, dass man nach dem Hören des Album unbedingt eine kurze Pause vor dem erneuten Drücken der Repeat-Taste einlegen sollte, um nicht in völlige Trance zu verfallen. Hier donnern keine wuchtigen Gitarrenwände oder Drums aus den Boxen, hier überzeugen vor allem filigrane und bis an die Spitze der Perfektion getriebene Klänge, traumhafte Gitarrenarrangements ("Timebends"), heavy Rocknummern ("Areciba" - der mit knapp 6 Minuten kürzeste Song des Albums), oder auch verträumt Melancholisches ("Invisibel giants"). Und wie es bei Long Distance Calling üblich ist, hat man sich nach Peter Dolving (The Haunted) und Jonas Renske (Katatonia) auch diesmal wieder einen Gastsänger eingeladen: Durch John Bush (Armored Saint, ex-Anthrax), entwickelt sich das für ihn sicherlich etwas ungewöhnlich anmutende "Middleville" zu einer großartigen, zwischenzeitlich fast schon typisch amerikanischen Stoner Rock-Nummer. Es gäbe zu diesem Album noch so viel mehr zu sagen, aber jeder sollte sich von diesem kleinen Meisterwerk lieber selber einen Höreindruck verschaffen. Obwohl - "Long Distance Calling" ist kein Album zum reinen Anhören. Dieses Album muss man fühlen und erleben! (maz)
- 9,5/10 -
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