VÖ: 02. Oktober 2009 Listenable Records
Dass ich das noch mal erleben darf. Dieses überwältigende Gefühl, welches mich beim Hören von "Enemies" überkommt, hatte ich zuletzt bei meinem Erstkontakt mit Dark Tranquillity's "The gallery" (1995). Diese einzigartige Mixtur aus Raserei und an Verzweiflung grenzenden Melodien. Doch bis auf die schwedische Herkunft (Göteborg) besteht nicht sehr viel Ähnlichkeit, denn wir befinden uns im neuen Jahrtausend, und da ist alles erlaubt. Aber wo soll ich anfangen, wenn eine Band (im Schnitt mal gerade 20 Lenze zählend) so derbe hart und trotzdem melodisch vorgeht, aber nicht mal im Ansatz ein Klon ihres heimischen Ursprungs ist. Was tun, wenn sie up to date klingen (wer unbedingt möchte - "modern"), aber nichts mit Metalcore am Hut hat? Gar nicht erst auf der Suche nach der nächsten unentdeckten Melodie, geht das Sextett noch spartanischer vor als auf ihrem 2008er Debüt "Spite", und lässt ihre einzigartige Mischung mehr und mehr atmen, sich entfalten und Besitz vom Zuhörer ergreifen. Unzähliges Highspeed-Material wird gewürzt mit intelligent Vertracktem - fernab von unnützem Mathcore. Beatdowns verlieren im Marionette-Kontext ihren schlechten Ruf. Gesanglich steht man in der Tradition von Dark Tranquillity oder auch The Duskfall, und füllt dann und wann fast beiläufig mit kurzen, aber treffsicheren Clean-Vocals auf. Das sich durch das Album ziehende apokalyptische Endzeit-Flair erinnert in den besten Momenten an Fear Factory oder zeitweise sogar Strapping Young Lad ("Hatelust"). Da erweisen sich die Keyboards als essentiell und öffnen Tore zu neuen Welten. Nebenbei kokettiert die Band mal eben völlig frech mit Melodic Metal-Elementen, wie im "Creatures"-Refrain oder ganz abgepfiffen in "Stench of the herd". Songs wie das straighte "Through veils" oder das vielschichtige und mit der herzzereissendsten Melodie des Album endende "The lie" treiben mich seit Tagen in den Wahnsinn. Man kann es drehen und wenden, wie man will: "Enemies" ist ein perfektes, musikalisches Yin-Yang. Es ist gewalttätige Poesie und es macht hoffnungslos süchtig. Da ist die Antwort nach dem "was tun?" eigentlich simpler denn je - Höchstnote! (sw)
- 10/10 -
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