VÖ: 28. September 2007 Nuclear Blast
Tja, da haben wir den Salat. Bzw. nicht wir, sondern ich. Kaum ein anderes Review hat mich bisher so viele Nerven gekostet und wurde so oft wieder verworfen und umgeschrieben wie dieses hier zum neuen Nightwish-Output "Dark passion play". Dabei hätte jetzt alles ganz kurz und schmerzlos werden können: Wäre Ex-Frontdiva Tarja Turunen nicht gefeuert worden und hätte man die musikalische Klasse des Vorgängers "Once" (2004) noch weiter ausgearbeitet und vielleicht sogar noch getoppt, dann hätten wir jetzt vermutlich das nächste Album mit der höchstmöglichen Punktzahl und fertig. Aber so einfach ist es leider nicht... Die beiden Vorab-Singles "Eva" und "Amaranth" haben es mir als grossen Fan der Band schon alles andere als leicht gemacht. Und ich habe auch über die volle Album-Distanz von immerhin stolzen 75 Minuten nach wie vor so meine Problemchen. Ich reduziere meine "Probleme" allerdings nicht nur auf Anette Olzon, die neue Sängerin. Die Schwedin, die bisher in einer ABBA-Coverband (!) ihre Gesangskünste zum Besten gab, erweist sich zwar durchaus als gute Sängerin, singt aber nunmal eben in einer völlig anderen Stimmlage und hat z.B. in den ganz hohen Stimmlagen keinerlei Volumen. Und damit kommen wir zum zweiten Manko auf "Dark passion play". Mastermind Tuomas Holopainen hat die Songs auf Anette's Stimme zurechtgeschnitten. Das spricht zwar durchaus für sein enormes kompositorisches Können, aber man muss jetzt gar kein großes Genie sein, um schlussfolgern zu können, was passiert, wenn man seine Musik nicht mehr auf die klassische Opern-Stimme einer Tarja zurechtschneiden muss, sondern "nur noch" auf die wirklich nette Pop-Stimme von Anette: Richtig, ein Großteil der Songs ist einfach nur noch nett. Nicht mehr und nicht weniger. "Cadence of her last breath", "Whoever brings the night" oder auch der bereits erwähnte Titel "Eva" - vieles bewegt sich im Mittelfeld, und läuft unspektakulär - fast schon unbemerkt - nebenher. Tuomas' Ankündigung, daß der "Once"-Nachfolger noch pompöser ausfallen wird, hat sich bestätigt. Orchester, Chöre, Bombast - all das hängt wie das berühmte Damokles-Schwert über den Songs. Der Opener "The poet and the pendulum" wirkt mit seinen über 13 Minuten fast schon ein bißchen überladen. Er ist zwar durchaus beeindruckend, mal kraftvoll, mal zart und zerbrechlich, aber da hätte man doch besser drei einzelne Songs draus machen sollen. "Bye bye beautiful" ist ein ordentlicher Nackenbrecher und vermutlich der beste Song des Album, nicht zuletzt auch durch die starke Gesangsleistung von Bassist Marco Hietala. Demgegenüber stehen dann aber auch wieder Songs wie "For the heart I once had", das in den Strophen kaum Xandria-Niveau erreicht. Interessant ist dagegen wieder das sehr ruhige und ungewöhnlich folkige "The islander", das ebenfalls von Marco Hietala gesungen wird, worauf das perfekt passende reine Instrumental "Last of the wilds" folgt. Und bevor ich dieses Review nun stundenlang weiterschreibe, sollte ich mal so langsam zum Ende kommen. Wären nur noch zwei abschliessende Dinge zu klären: Mein Fazit und meine Punktevergabe. Mein Fazit sieht dabei wie folgt aus: Man kann "Dark passion play" von zwei Seiten sehen. Sieht man das Album als direkten Nachfolger zu "Once", dann geht es definitiv sang- und klanglos unter. "Once" ist und bleibt das Referenzwerk in diesem Genre. Wenn man "Dark passion play" jedoch als Neuanfang sieht - was man auch besser machen sollte - dann ist den Finnen ein recht gutes Album gelungen. Kompositorisch sicherlich meilenwert vor der Konkurrenz. Ein mehr als ordentlicher "Einstand" einer "neuen" Band. (maz)
- 8/10 -
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