VÖ: 02. Dezember 2011 Nuclear Blast
Ganze vier Jahre hat es gedauert, das siebte Nightwish-Studioalbum "Imaginaerum" fertigzustellen. Was wurde im Vorfeld nicht alles gerätselt und spekuliert - fast hätte man meinen können, nun würde Mastermind Tuomas Holopainen endgültig den symphonischen Metal revolutionieren, zumal "Imaginaerum" auch die Grundlage für den gleichnamigen ersten Nightwish-Film darstellt, der 2012 in die Kinos kommen soll. Starten wir nun also in ein Album, das am Ende dann wohl scheinbar mit der Höchstnote abschließen wird...!? Mit dem Intro "Taikatalvi" geht's gleich ungewohnt los. Ein sehr ruhiges Stück, mit finnisch gesprochenem Text, Spieluhr und Panflöte. Es folgt mit "Storytime" die erste Singleauskopplung, die alles das vereint, was Nightwish ausmacht: Bombast, massive Gitarren, Chöre, viel Symphonisches, ein genialer eingängiger Refrain und das klassische Nightwish-Drumming. Das folgende "Ghost River" ist trotz zwischenzeitlichem Kinderchor ein ganzes Stück düsterer, was sicherlich auch an Marco Hietala's starker Stimme liegt. Bis hierhin ist zwar alles in bester Ordnung, aber von einem Meisterwerk ist man jetzt schon weit entfernt. Der Tiefpunkt folgt unmittelbar in Form der sehr ruhigen Ballade "Slow Love Slow" - einem schnarchigen Jazz-Pop-Stück (!), das ich sicherlich von Norah Jones erwartet hätte, aber nicht von Nightwish. Für mich ganz klar der schlechteste Nightwish-Song aller Zeiten! Mit dem einmal mehr sehr eingängigen und erfrischend irisch angehauchten "I Want My Tears Back" werden dann wieder einmal die gesanglichen Stärken von Marco Hietala deutlich (dessen kraftvolles Organ dem Titel richtig gut steht), aber auf der anderen Seite eben auch die Schwächen von Anette Olzon, die in normalen Stimmlagen (zumindest auf CD) zwar völlig in Ordnung geht, aber deren Stimme gerade bei diesem Titel immer dünner wird, je höher sie versucht zu singen. Im anschließenden "Scaretale", wo sie dann im Gegenzug versucht, tief und "böse" zu klingen, wirkt ihre Stimme dann plötzlich unfreiwillig komisch und erinnert eher an die Synchronstimme irgendeiner Cartoon-Figur. Wenn man nun versucht, sich verstärkt auf die Musik zu konzentrieren, stellt sich aber leider auch schnell Ernüchterung ein: Nightwish machen den gleichen Fehler, wie zuletzt auch Dimmu Borgir oder Turisas - weniger Metal, mehr Bombast/Chöre/Filmmusik. Die erneute Zusammenarbeit mit dem London Philharmonic Orchestra sowie dem ebenfalls in London ansässigen Metro Voices-Chor empfinde ich diesmal eher als Schritt zurück. Viele Songs oder zumindest Passagen (die meisten Songs befinden sich oberhalb der 5-Minuten-Marke) sind kaum mehr als ein bombastischer Filmscore mit dezenter Gitarrenuntermalung, oder - zu allem Überfluss - einfach nur sterbenslangweilig ("The Crow, The Owl And The Dove"). Die paar wenigen "metallischeren" Highlights - neben den bereits erwähnten "Storytime" und "Ghost River" auch ein Titel wie "Last Ride Of The Day" - sorgen dafür, dass sich "Imaginaerum" nicht völlig im orchestralen Filmscore-Sumpf verliert. An den Vorgänger "Dark Passion Play" kommt "Imaginaerum" zweifelsfrei nicht heran, und vom 2004er Album "Once" (für mich immer noch DAS Referenzwerk in Sachen Female Fronted Symphonic Metal) ist man ohnehin meilenwert entfernt. (maz)
- 7/10 -
|
|
|