VÖ: 27. November 2011 YMP
Wenn vier Profimusiker sich einen "free run on everything" erlauben, kann das ziemlich in die Hose gehen - siehe "Lulu". Die Herren von Nitewalk halten sich aber konsequent an ihre eigenen (dennoch breit gefächerten) Vorlieben und überraschen mich mit einem verdammt homogenen Album. Gitarrist und Federführer Christian Jungebluth (ex-Accid Reign), No Inner Limits-Stimme Daniel Fischer, Bassmann Kai Kleinewig (Tubeless, Voice2Bass) und Drummer Michael Ehré (Metalium, Firewind, Uli Jon Roth) haben zusammen eine große Palette vorzuweisen. Progressiv - ja, aber es dabei belassen - nein. Da hätten wir den relaxt beginnenden Opener "Treasure Land", der flugs einen stattlichen Groove auspackt. Bei "Fire" paaren sich Slap-Bass-Einlagen mit knackigen Metal-Beats. Die Piano-Ballade "Gray Angels" ist ebenfalls klasse. "Watchtower" hat nichts mit den US-Prog-Freaks zu tun, sondern ist im Nitewalk-Kontext wohl das düsterste und "ruppigste" Stück. Auf diesem Album kann man zu jeder Zeit etwas Neues entdecken und wird auch nach mehreren Durchläufen immer wieder zum Aufmerken angeregt. Jeder Part, und möge er an seinem Platz auch manchmal ungewöhnlich erscheinen, hat immer genügend Überzeugungskraft, um nicht deplatziert zu wirken. Jeder Musiker gibt auf seinem Terrain das Beste von sich (gerade die Bass-Arbeit ist herrlich erfrischend) und für die Band. Das "Noncept-Prog"-Gerüst scheint also verdammt stabil zu sein und ihr seht mich verblüfft. Nun, für beinharte Scheuklappen-Metaller könnte dieses Album vielleicht nicht ganz das Richtige sein. Rock-Fans, die den Blick über den Tellerrand begrüßen und speziell die Musiker unter ihnen, werden an "Darker Shades Of Gray" aber umso mehr ihre Freude haben. Acht Punkte sind demnach nicht zu wenig für eine ungewöhnliche Überraschung, vor der ich meinen Hut ziehe. (sw)
- 8/10 -
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