VÖ: 16. September 2011 Roadrunner Records
Wie geil ist das denn - eine seit Jahren sehr wohl bekannte Band dreht der grassierenden Seventies-Retro-Welle eine mächtige Nase: Opeth! Was Mikael Akerfeldt und seine Truppe auf ihrem neuen Longplayer fabrizieren … ach was … erschaffen, ist schlichtweg genial. Nach einem besinnlichen Klavier-Intro startet "The devil's orchard" in den Strophen mit dem berühmten Gesang/Riff-Wechselspiel, dessen Dynamik schon seit Judas Priest's "Victim of changes" für körperliche Zuckungen sorgt. Das ist, als hätte jemand die Essenz der Anfänge des Progressive Rock genommen und ohne Rücksicht auf Verluste seine "Millenium"-Version eingespielt. Bei "Slither" funktioniert das auch mal im knackigen Uptempo (ganz Verwegene vergleichen hier mit Deep Purple's "Highway star") und für Opeth-Verhältnisse sogar in Kurzform (ALLE Songs bleiben deutlich unter 10 Minuten!). Aber was rede ich über Einzelheiten. "Heritage" ist ganzheitlich. Es klingt nicht muffig, sondern warmherzig. Die Gitarren sind teilweise angenehm zurückhaltend im Sound - eine Homogenität sondergleichen, die trotz einiger verdammt lässig wirkender Prog-/fast-Jazz-Abfahrten für eine allgegenwärtige Zugänglichkeit sorgt. Man will einfach weiterhören und erfahren, was Monsieur Akerfeldt als Nächstes aus dem Hut zaubert. Innovation, Virtuosität, losgelöst von allen Zwängen - der Mann ist einer der ganz großen Künstler unserer Zeit. Das Dimensionen öffnende Finish von "Folklore" ist einfach zum Sterben schön. Dass so etwas heutzutage noch möglich ist, zeigt die Klasse, Selbstsicherheit und Hingabe, mit der ein Album wie "Heritage" eben nur möglich ist. Ja, dieses Album wird zwar auch die verbliebenen "wo sind die Death Metal-Growls?"-Nörgler vergraulen, aber Opeth haben sich im Laufe der Jahre eh schon gewandelt und die Fans, die diese Entwicklung bereits mit Leidenschaft begleitet haben, werden mit "Heritage" ebenso ihre helle Freude haben. (sw)
- 9/10 -
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