VÖ: 12. November 2010 Indie Recordings
So weit habe ich eine Band noch nie die Grenzen des Black Metal sprengen hören. "Norrøn livskunst" erscheint mir als der Hofnarr des Black Metal. Er genießt fast völlige Narrenfreiheit, weiß aber sehr wohl um sein Können und verwirrt, umgarnt, verführt, nervt und ohrfeigt den Hörer - und das alles auf einmal. Um das alles beurteilen zu können, bedarf es schon einiger intensiver Durchläufe. Wie hier mit Black/Pagan/Viking Metal (teils traditionell, teils avantgardistisch), Artrock, Ambient, fast spacigen Passagen, bis hin zu chilliger Jazz-Atmosphäre um sich geworfen wird, OHNE dass es deplatziert wirkt, ist schier unbegreiflich. Zum Gipfel dieses totalen Crossover gehören beispielsweise das durchgeknallte "Tittentattenteksti" (ja, genau!), welches nebenbei noch von der selben Dame "veredelt" wird, die mich schon auf der letzten Dimmu Borgir-Scheibe mit ihren hysterischen Vocals genervt hat. Thema Jazz - nun ja, "Eukalyptusstreet" ist eigentlich reinste, smoothe Jazzbar-Mucke mit Piano und Saxophon, entwickelt sich aber nach hinten raus zu hymnischem Nordländer-Stoff. "Stridsljod (Blackabilly)" nimmt gekonnt die gesamte Humppa-Fraktion auf die Schippe. "Hugferdi" dagegen integriert neben sanften Gesangspassagen hymnische Raserei, dass es die wahre Freude ist. Das Abschlussdoppel "Waves over valhalla (An icelandic odyssesy - Part 3)" und "Til heimen yver havet" dürfte jedem traditionellen Viking-Fan runtergehen wie Öl. Jesses, hier passiert so viel, eigentlich ist gar kein Platz, alles zu beschreiben… Man muss das nicht zwangsläufig gut finden, doch die musikalische Umsetzung ist einfach so brilliant - nein, das kann man unmöglich überhören - dass das Prädikat "gut" das absolut Mindeste ist. Der Rest bewertet sich eher durch die Präferenzen des Hörers. (sw)
- 7,5/10 -
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