VÖ: 20. April 2012 Cyclone Empire
Typischer Fall von "zu viel um die Ohren". Da gebe ich dem Vorgänger "Oionos" neun Punkte, erinnere mich noch gut an das mutige Sting-Cover ("Russians") und trotzdem habe ich die Scheibe seitdem nie wieder gehört. Großer Fehler! Nun, Brücke geschlagen und vorab eingesehen, dass der damalige Überraschungseffekt nicht reproduzierbar sein würde. So wollte ich nach den ersten drei neuen Songs schon mit einem zufriedenen "Level locker gehalten" einen halben Punkt weniger als einst geben. Dabei lassen die alten Paradise Lost-Reminiszenzen in "Outcast" schon aufhorchen und generell fällt auf, dass speziell die Gitarrenarbeit sowohl ein Stück minimalistischer, dennoch vordergründiger gestaltet wurde. Doch dann trumpfen die italienischen Melancholic Dark Doomster wie aus dem Nichts mächtig und erhaben mit dem Dreiviertel getakteten Titelsong auf. Zack, jetzt haben sie mich doch wieder erwischt und sie legen mit dem beklemmenden "Aftermaths" wuchtig nach. Allein der Chorus zerreißt mich jedes Mal. Es ist schier unfassbar, mit welch wenigen Mitteln die Band aus dem Stiefelland eine solch tief berührende Atmosphäre erschafft. Ob sich "Colonies" dramatisch aufbaut, ein großartiger Chor "Noli Timere" veredelt oder "Friends Of Pain" ein simples Keyboard/Vocals-only Ende beschert - alles klingt so groß, so wundervoll, ehrlich, erwachsen, düster, noch kritischer und verzweifelter als zuvor. Neben der Musik an sich hat wieder mal Sänger Marco Benevento einen immensen Anteil daran, da er mit seiner warmherzigen, einfühlsamen Stimme so behutsam die Seele massiert, ohne auch nur ansatzweise kitschig zu sein. Fans alter Paradise Lost, Saviour Machine, Funeral und ähnlich Gearteten müssen The Foreshadowing als absolutes Pflichtprogramm betrachten! Und noch etwas: Kann jemand die Italiener bitte schleunigst mit Paradise Lost oder My Dying Bride auf Tour schicken?! (sw)
- 9/10 -
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