VÖ: 24. Oktober 2008 Inside Out
Das Debüt dieses australischen Sextetts hieß in 2005 "More than a dream" und nun begeben wir uns in "The garden" und stellen fest, daß dieser ebenfalls mehr als nur ein Traum ist. Bei dieser Doppel-CD mit 100 Minuten Spielzeit definiert sich der Begriff "progressiv" nämlich durch Horizonterweiterung mit klar erkennbaren Wegen. Kein Gefiedel und Umherwerfen mit Taktierungen und sonstigen technischen Höchstleistungen. Obwohl ... spielen, geschweige denn schreiben muß man erst mal solche Übersongs wie den 22-minütigen Titelsong, der feinsten Prog-Rock mit fast schon aggressiven Einschüben beinhaltet, während vereinzelte mit Saxophon unterlegte Passagen das Material so beschwingt machen, als wäre man mit einem fliegenden Teppich unterwegs. Da ist einfach alles drin, was das Herz erwärmt. In ihrer anspruchsvollen Leichtigkeit erinnern sie mich manchmal sogar an die deutsche Prog-Institution Anyone's Daughter. Und dieses wohlige, immer positive Gefühl zieht sich durch alles was Unitopia hier fabrizieren. Innovative Refrains wie "When I'm down" oder "This life" gehen einher mit klischeefreien Balladen wie "Here I am" (kann man diese Wörter eigentlich auch singen, ohne daß man an die Scorpions denken muß?). Oder "Inside the power", wo abermals ein schöner Uptempo-Refrain das Ohr schmeichelt und dessen Anfang so manchem Rush-Fan munden dürfte. Oben drauf werden immer wieder das genannte Saxophon oder auch Klarinette und Flöte eingestreut, um dem Gesamtkunstwerk eine fast schon relaxte Bigband-Atmosphäre zu verleihen. In "The garden" gibt es echt was zu entdecken. Wem - wie mir - das letzte Uli John Roth-Output zu verschnörkelt oder gar einsiedlerisch war, der sollte sich diesen Doppeldecker ins heimische Wohnzimmer holen und an kühlen Herbsttagen mit einer Tasse Tee und den warmen Klängen von Unitopia per Kopfhörergenuss dem grauen Alltag entfliehen. Das spart so manche Therapiestunde. (sw)
- 8/10 -
|
|
|