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URFAUST - Der freiwillige Bettler

VÖ: 28. Januar 2011
Ván Records

Oh, geschundene Seele mein, die Urfaust schlägt wieder auf mich ein. Ich erinnere mich noch gut an den "Einsiedler" (2009) - so schwermütig, tief traurig und doch menschlich und vor allem frei. Nun steht mit "Der freiwillige Bettler" der nächste Longplayer des niederländischen Duos vor mir und vereinnahmt mich bis ins Mark. Es ist mir schier unbegreiflich, wie man pro Song (!) mit einem simplen Rhythmus (vorwiegend im Doom angesiedelt), einem Riff und/oder einer Melodie (höchstens zwei) und diesem höchst extravaganten "Gesang" eine solch beklemmende, dein Innerstes verschluckende Atmosphäre erschaffen kann. Es erscheint auch völlig unerheblich, dass Urfaust gänzlich auf Texte verzichten (oder je welche hatten?). Das mit Inbrunst schallende Wehklagen in Verbindung mit dem instrumental, ausufernden Minimalismus reicht vollkommen aus, um einfach nur die Bedeutung der jeweiligen Titel begreiflich zu machen. Hypnotisches Liedgut wie "Das Kind mit dem Spiegel" oder "Ein leeres Zauberspiel" sind nur der Gipfel dessen, was den Hörer in die tiefsten Tiefen seines Selbst mitreißt. Nur weiß ich einfach nicht, nach welchen irdischen Maßstäben ich "Der freiwillige Bettler" bewerten soll. Etwas vergleichbar Einzigartiges habe ich bis dato nicht vernommen. Widerlich gut! (sw)

- 9/10 -