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Metal Bash die Sechste! Das kleine aber feine Festival in Nähe der Dieter Bohlen-Heimat Tötensen erfreut sich auch dieses Jahr wieder großer Beliebtheit und kann auch dieses Jahr mit einigen starken Namen im Billing punkten. Zudem hat man für den ganzen Tag auch noch die Sonne gepachtet. Es verspricht ein unterhaltsamer Abend zu werden.




Ab 11 Uhr morgens geben sich noch kleinere Bands die Ehre. So steht es zumindest auf der Running Order. Da aber die mega-metal-Akteure noch arbeiten müssen, treffen wir erst am nachmittags ein und bekommen beim Öffnen der Autotür noch mit, daß gerade Sufferage aus Hamburg das Gelände mit ihrem Death/Grind-Mix in Schutt und Asche legen.

Danach dürfen dann Warhead aus Osnabrück ran. Die bieten uns (g)riffigen Metal mit dezenten Thrash-Anleihen. Technisch völlig in Ordnung ernten sie aber nur steigenden Achtungsapplaus und ein paar Reihen vor der Bühne, die einfach ihren Spaß haben.

Bei Sycronomica aus München sieht das doch etwas anders aus. Ihr Keyboard-angereicherter Black Metal erinnert mich zwar im ersten Moment an Graveworm, doch mit zunehmender Spieldauer werde ich Lügen gestraft. Die Jungs sind doch härter angesiedelt und lassen manchmal Namen wie Dark Fortress oder Dimmu Borgir in meinem Kopf erscheinen. Von Letzteren gibt es zum Abschluß noch "Alt lys er svunnet hen" - das nenne ich Geschmack. Sehr gut!

Halb sechs abends - man hat das Gefühl, die Party kann jetzt richtig losgehen. Und da sind Slayensemble fast schon perfekt gewählt. Die Slayer-Huldigung in persona trifft auf ein bang- und pit-freudiges Publikum - kein Wunder bei der Einsatzfreude und erschreckend guter Authentizität. Genau wie beim Original fressen die Fans dem Tom Araya-Lookalike Anatoli "Aloha" Monov einfach aus der Hand. Na, und bei den Songs kann man sowieso nix falsch machen. Alle Hits dabei plus noch ein paar mehr. Wer Slayer liebt, wird auch immer zu Slayensemble gehen.



Powerwolf machten sich etwas Sorgen, ob sie mit ihrem Stadion-Power-Metal vielleicht nicht doch Fehl am Platze wären. Quatsch. Wer so selbstsicher und mit ordentlich Spaß inne Backe auf und über die Bühne stürmt, kann nicht verlieren. Sänger Attila dirigiert die Massen nach Belieben und trifft dabei nicht nur jeden Ton, sondern mit seinen genialen Ansagen auch den Nerv des Publikums ("In blood we trust" heute mit Widmung an die anwesende DLRG). Mit jedem Song wird es vor der Bühne voller und die Stimmung steigt bis zum abschließenden "Lupus dei", nach dem man rundum in grinsende Gesichter sieht. Powerwolf haben hier definitiv einige Freunde dazu gewonnen.




Ob Endstille das auch wollen, ist fraglich. Das Kieler Black Metal Kommando schrotet sich durch eines der bösartigsten Sets, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Klar scheiden sich an ihnen die Geister, aber die Klasse von hasserfüllten Geschossen wie "Dominanz", "Endstilles Reich" oder dem finalen "Navigator" ist unbestritten. Es war ein Black Metal-Fest ... sofern es so etwas gibt.




Die Co-Headliner Dark Age sind ja eigentlich mehr das Ding meines Kollegen Marco, der sich zu Beginn des Sets aber schon in leicht anderen Sphären aufhält und mir nach der dargebotenen Stunde glücklichst mitteilt, wie geil der Auftritt doch war. Aber er hatte Recht. Selbst ein skeptisches Bürschchen wie ich, muss neidlos anerkennen, daß der Gig ein Knaller war. Band und Publikum stacheln sich gegenseitig an und das rege Treiben vor der Bühne erlebt hier seinen vorzeitigen Höhepunkt. Doch - ich bin sehr überrascht und ziehe meinen Hut!




Zum dritten Mal schreibe ich heute über Maroon und ihre starken Live-Qualitäten. Hölle, die Herrschaften werden immer besser. Wer so ein herrlich sympathisch und loses Mundwerk hat wie Sänger André, macht sich im Publikum eh Freunde. Der Einstieg mit "My funeral song" ist ultra-hart und auch der weitere Verlauf ist nicht gerade zimperlich. Starker Auftritt - so weit, so gut.
Bis André eine von vielen Wasserflaschen (0,3l, Plastik) gen Publikum schmeißt und diese offenbar zu dicht ans Mischpult kommt. Das findet der Mischer gar nicht lustig und weißt den Sänger über das Monitor-Mikro darauf hin, so einen Sch**ß (O-Ton, ich stand direkt neben dem Pult) zu unterlassen. Es geht hier ja um teures Equipment. André - kein Kind von Traurigkeit - quittiert 'galant' mit einem "Wir sind hier nicht auf einem Kindergeburtst..." - und schon wurde der Saft abgedreht. Das Mikro fliegt gen Bühnedecke und die Band verschwindet. Backstage wird heiß diskutiert, das Publikum stimmt ein fröhliches "Mischer raus" an und irgendwie kommen Maroon noch mal für zwei Songs auf die Bühne. André entschuldigt sich brav beim Mischer, nur um während des Songs noch mal seinen Allerwertesten gen Pult zu strecken. Ob das der Grund für ein extrem kurzzeitiges 'Ausfallen' der PA bei "Wake up in hell" ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Dieses Ende hat sich wohl keiner gewünscht. Jedenfalls ist das Publikum friedlich geblieben. Das ist das Wichtigste. Den Rest kennen nur die direkten Beteiligten. Ein starkes Festival war es trotzdem. Metal Bash – bitte weiter so!



Text & Fotos: Siegfried Wehkamp