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2006



Erschreckt Euch bitte nicht, wie lang der diesjährige W:O:A-Bericht geworden ist, wir haben uns selbst gewundert, dass wir zu zweit so viel abgedeckt haben.
Viel Spaß beim "in Erinnerungen schwelgen"!

Fotos: Siegfried Wehkamp



Donnerstag, 03. August 2006

Der legendäre "A night to remember"-Donnerstag in Wacken und das dann ausgerechnet mit den Scorpions. Voller Schrecken denkt man dann gleich an "Wind of change" zurück…aber glücklicherweise wird der grösste Scorpions-Hit nicht gespielt, stattdessen gibt es in einer wirklich sehr langen Show eine äusserst bunte Mischung aus fast allen Schaffensphasen der Band, und als Gastmusiker können neben Uli John Roth, Michael und Tyson Schenker auch Herman Rarebell auf der Bühne willkommen geheissen werden.
Auch wenn ich nur einen Teil des Auftrittes sehe, und ich nach wie vor nicht gerade ein Fan der Scorpions bin, aber das, was mir geboten wird, ist definitiv beeindruckend und auf technisch sehr hohem Niveau. Was will man von einer solchen musikalischen Institution auch anderes erwarten?



Freitag, 04. August 2006

Den Startschuss am ersten Haupttag des Festivals geben die deutschen Black Metaller von Mystic Circle, die es gerade eben als Black Metal Band und zu doch recht früher Stunde nicht gerade leicht haben, eine entsprechende Stimmung vor der Bühne zu verbreiten, aber dennoch eine solide Leistung abliefern. Mal eben "Raining blood" anzuspielen reicht eben nicht immer aus…

...aber, es ist doch schön, wenn das erste Festival-Highlight bereits um 12 Uhr auf der Bühne steht. Dass sich Wintersun immer größerer Beliebtheit erfreuen, merkt man bereits an den vielen Shirts, die einem auf den Platz entgegenkommen. Aber dass es sooo voll wird - Wahnsinn! Nach dem Opener "Winter madness" hat man die Soundprobleme auch schnell im Griff, damit sich der Mix aus Ensiferum, Children of Bodom und Dissection richtig entfalten kann. Die Band selbst kommt wahlweise sympathisch (Gitarristen), unauffällig (Bassist) oder einfach unglaublich (Fellverdrescher Kai reiht sich lockerst neben die diesjährigen WOA-Superdrummer Trym von Emperor und Pete Sandoval von Morbid Angel ein) rüber. Das Debut-Album wird bis auf "Sadness and hate" komplett gegeben und nach 45 Minuten würden nicht wenige Fans gerne viel mehr hören/sehen. Aber das muss bis Anfang 2007 erstmal reichen. Dann kommt die neue "sonnige Winter"-CD.

Die Niederländer Legion of the Damned machen ihre Sache wie gewohnt sehr gut, und haben in diesem Jahr nun auch schon auch diversen Festivals ordentlich Festival-Erfahrung sammeln dürfen und präsentieren einen Großteil ihres Debut-Album "Malevolent rapture" und beginnen wieder mit dem starken Opener "Werewolf corpse".

Gott sei Dank haben sich Nevermore für das WOA mit einem zweiten Gitarristen verstärkt. Diesmal ist es Chris Broderick von Jag Panzer, ein Flitzefinger vor dem Herrn, perfektes Pendant zu Saitenhexer Jeff Loomis und obendrein noch ein Augenschmaus für die Weiblichkeit im Publikum - mjam! Musikalisch gibt es in der einen Stunde Bewährtes. Die Seattle-Jungs können gar nichts verkehrt machen. So viele Hits haben sie bereits geschrieben und hier geht es wieder Schlag auf Schlag. Pause machen? Ach was denn - wir sind in Wacken - hier regiert die grobe Kelle!

Immer wieder gern gesehene Gäste in Wacken sind die Mittelalter-Rocker von In Extremo, die in den frühen Abendstunden mit Pyro-Effekten und schicker Schiffs-Deko viel Material vom aktuellen Album "Mein rasend Herz" zum Besten gaben. Für mich persönlich ein erster Höhepunkt des Festivals.

2 Takte Rumpelrums und schon verlassen Carnivore für die längsten paar Minuten des Festivals die Bühne. Objektiv gesehen - typischer Pete Steele-Humor. Subjektiv - große Kacke! Danach geht’s doch endlich los und Herr Stahl und seine zusammengewürfelte Band bringen den ganzen Set musikalisch einwandfrei über die Zeit. Alle Hits sind dabei - sogar das Beatles-Cover "Helter Skelter" - doch besonders beim ruhigen Mittelpart von "Male supremacy" merkt man, dass olle Pete sein Herz zu Hause bei Type O Negative gelassen hat. Schade. Hätte echt besser sein können. Da nützen die blutigen Metzgerschürzen und die weibliche "Oben ohne"-Armee beim Rausschmeißer "Sex & violence" auch nix. Ich hör mir zu Hause wieder die alten Platten an.

Tja, wärst Du mal mit zur Party Stage gekommen, da war definitv mehr gute Laune, denn nicht nur Melodic Folk Metal im allgemeinen, sondern auch Korpiklaani im Speziellen erfreuen sich immer größer werdender Beliebtheit. Die 6 Finnen sorgen für eine ordentliche Party mit viel Stimmung.

Sicherlich einer der Höhepunkte am Freitag sind wieder einmal mehr Children of Bodom. Spätestens jetzt ist ein normales Vorwärtskommen auf dem Festivalgelände so gut wie unmöglich. Es ist schon beachtlich, was in den letzten 8 Jahren und nunmehr 5 regulären Alben aus den Jungs geworden ist. Und da Erfolg bekanntlich auch den Geldbeutel füllt, können sich die Bodom-Kids auch ein zum Bandsound passendes Bühnenbild leisten. Autowracks und Trashcans passen wunderbarst zu Alexi’s Rotzrock-Attitüde. Und dementsprechend frenetisch werden dann auch sämtlich Hits der Bandgeschichte abgefeiert.

Nanu? Was ist denn mit Hellfueled-Frontmann und Ozzy-Soundalike Andy Alkman passiert? Nicht nur der Bart, sondern auch das Körper-Volumen ist gewachsen. Sieht knuddelig aus und macht ihn nur noch sympathischer. So wie die Musik. Einfach Gute-Laune-Rock/Metal in direkter Nachbarschaft von Ozzy Osbournes Solopfaden. Die perfekte Party kurz vor Mitternacht. Die Setlist beinhaltet alle Highlights der beiden Alben - allen voran natürlich "Midnight lady", bei dem das ganze Publikum Kopf steht (DAS hätte ich gerne gesehen! – maz). Verdammt auch eins, hätte ich doch bloß mehr getrunken...
...was ich mir übrigens auch bei Metal Inquisitor denke. Aber da bis Amon Amarth einfach noch 'ne Pause nötig ist, reicht es nur für 3 Songs der Koblenzer. Aber die haben es in sich! Jeder NWOBHM-Fan sollte hier beide Ohren riskieren. Die Jungs um einen sehr unverbraucht sympathischen Frontmann fiedeln sich im Laufe der Songs quer durch die o.g. Szene, dass einem echt die Freudentränen kommen. Anchecken ist für "ewig Gestrige" Pflicht. Ich mach es auf jeden Fall sobald ich wieder zu Hause bin. Thumbs high!

Das ist mir alles viel zu alt…ich schaue erst jetzt wieder im Zelt bei der W.E.T.-Stage vorbei, um mir anzusehen, was Battlelore dort veranstalten. Leider scheitert mein IM Zelt bereits ein paar Meter VOR dem Zelt, das bereits aus allen Nähten platzt. Auch unsere Tolkien-Verehrer Battlelore sind einmal mehr ein Beweis dafür, dass Folkelemente im Metal immer beliebter werden. Auch hier wird wieder jeder Song lauthals abgefeiert. Klasse Stimmung und das wohlgemerkt nachts um 2 Uhr…
…der Tag war hart und jetzt soll er einen würdigen Abschluß in Form von Amon Amarth bekommen. Und so geschieht es dann auch. Mit einem der Fan-Favourites "The pursuit of vikings" steigen die Nordmänner brilliant ein. Einmalig auch die Mitsing- (Mitgrunz-?) Spielchen bei eben diesem Song. Der einzige Death Metal-Song, bei dem das auch funktioniert. Bei "An ancient sign of coming storm" präsentiert man uns dann die angekündigte Wikinger-Show der Gruppe, die auf dem Backstage-Campingplatz ihr eigenes Lager bezogen hatte (siehe Bild rechts). Ziemlich authentisch metzeln sich die Parteien nieder, selbst mit Feuer wird gekämpft bevor dann Amon Amarth musikalisch und mit perfekt sitzendem Synchron-Banging weiter schlachten dürfen. Mitten drin wird wie vor 2 Jahren wieder ein neuer Song vorgestellt. "Runes to my misery" ist eine mächtige Midtempo-Doublebass-Nummer mit fast schon gefühlvollem Refrain. Das macht Appetit auf die neue Scheibe. Beim unvermeidbaren Rausschmeißer "Death in fire" kommt Selbiges noch mal ausgiebigst zum Einsatz und dann ist Schicht im Schacht. Ganz ehrlich - ich will jetzt auch nicht mehr.



Samstag, 05. August 2006

Eher per Zufall habe ich das Vergnügen, mir am späten Vormittag in der mittlerweile schon recht heiß knallenden Sonne die Belgier Aborted anzusehen. Auch wenn es schon länger kein neues Material der Band gab, der Meute scheint es durchaus zu gefallen. Netter Auftritt.

Bei den Ruhrpottlern von Caliban wird es dann erstmals am Samstag voller vor der Bühne. Das sind zwar keineswegs ausschließlich Fans der Band, sondern vor allem viele Interessierte, die vielleicht einfach mal sehen wollen, ob und wie solider Metalcore in Wacken funktioniert. Und bedingt tut er das auch. Die "Wall of death" und diverse Circle-Pits gab’s sicherlich schonmal größer zu bewundern, aber nicht zuletzt auch durch die recht amüsante und sympathische Überbrückung eines mehrminütigen kompletten Stromausfalls können die Jungs sicherlich punkten. Und von der musikalischen Seite her ja sowieso.

Auch wenn ich den Anfang der Arch Enemy-Show, zumindest in optischer Hinsicht, aufgrund des jetzt schon enormen Andranges auf dem Gelände verpasse, sind "Nemesis" und "Dead eyes see no future" ein mehr als perfekter Ein-, und "Ravenous" und "We will rise", ein ebenbürtiger Ausstieg, einer soliden Show, mit einer mit Kriegsbemalung röhrenden Angela Gossow. (Wenn Du diesen Satz ohne Luftholen bringst, geb ich einen aus! - sw)

Vor Morbid Angel ist definitiv eine Pause fällig. Daher gibt es Fear Factory erstmal nur in "audio only". Vom Campingplatz aus bekomme ich jedenfalls mit, dass Hits wie "Linchpin", "Demanufacture" und sogar "Martyr" dabei sind. Kurz vor Ende des Gigs zum Dimebag Darrell-Geburtstagsständchen (der hat doch erst am 20.8.!?) und dem abschließenden "Replica" wieder auf dem Festivalgelände angekommen, sieht das Publikum mehr als zufrieden aus. War wohl gut!

Und nun Morbid Angel im "Domination"-Line-up. Das ist doch was Feines. Und nachdem sich Frontmann David Vincent (neuerdings mit schwarzen Haaren) in der Vergangenheit nicht immer politisch wertfrei verhalten hat, klammert er das jetzt völlig aus und zeigt sich sehr fanverbunden. Musikalisch werden nur die ersten 4 Alben der Band beachtet, was bei den Fans verdammt gut ankommt. Ansonsten Druck, Druck und nochmal Druck. Florida Death Metal mit Echtheitszertifikat. Vincent ist immer noch ein souveräner Fronter und die spielerische Klasse der Herren Azagthoth, Rutan und Sandoval ist überirdisch. So und nicht anders muss das. Und dann noch Songs wie "Fall from grace", "Rapture", "Maze of torment", "Immortal rites", "Where the slime live"...aargh!

Da Atheist nun mal einer der Vorreiter der hochtechnischen Death Metal-Szene waren, will ich mir die Reunion jedenfalls mal kurz zu Gemüte führen. Traumwandlerisch und für Otto-Normal-Verbraucher kaum nachvollziehbar, frickeln sich die Jungs durch ihre musikalische Vergangenheit, welche eigentlich nur für Mathe-Professoren geeignet ist. Die Zugabe "Time" ist für Band-Verhältnisse fast schon eingängig.

Einer der Samstags-Headliner sind dann die "Luft-und-Liebe"-Rocker von Whitesnake. Trotz keinerlei neuem Material, und das schon seit vielen Jahren, können die Herrschaften um Frontmann David Coverdale immer noch begeistern und faszinieren. Eine wirklich klasse Show, Pyro und Licht vom Feinsten…so lässt sich ein Abend in Wacken äußerst gemütlich und trotzdem energiegeladen einläuten. Und die beiden Überhits "Here I go again" und "Still of the night" tragen natürlich ihr übriges dazu bei. Denn auch jeder "Jungmetaller/-rocker" sollte zumindest einen dieser beiden Songs kennen, und da der Auftritt auch bei einer kleineren Gruppe an schätzungsweise kaum volljährigen Black Metallern, die in unserer Nähe stehen, recht gut anzukommen scheint (nicht zuletzt sicherlich auch durch einen entsprechenden Alkoholgenuß), sollte ich mit meiner These wohl Recht behalten…
…und ich sollte damit Recht behalten, dass 15 Minuten später die Reunion und einzige Open-Air-Show 2006 der allmächtigen Emperor zu einem Triumphzug wird! Wie wichtig und beliebt die Band nach wie vor ist, zeigt das spezielle WOA-Emperor-Reunion-Shirt, welches bereits am Vortag (!!!) ausverkauft war. Dementsprechend voll ist es dann auch vor der Bühne, als Zeremonienmeister Ihshan und sein Gefolge unter stürmischem Beifall die Bühne betreten. Ich möchte vor Ehrfurcht am liebsten auf die Knie sinken. So erhaben und majestätisch ist die Bühnenpräsenz und die musikalische Umsetzung solcher Black Metal-Gourmetstückchen wie "With strength I burn", "Curse ye all men", "Inno a satana" oder "The loss and curse of reverence". Wo andere Schwarzwurzelmeister durch unbändige Aggression überzeugen wie ein guter Karate-Schüler, gehen Emperor wie ein alter Shaolin-Meister viel subtiler vor und setzen ihre Künste sowohl bedachter als auch tödlicher ein. Ob es wirklich noch ein neues Emperor-Album geben soll, ist zu diesem Zeitpunkt völlig irrelevant, denn die Fans erleben einen der besten Black Metal-Gigs überhaupt, und verhalten sich entgegen des Klischees eines regulären Schwarzmetall-Publikums sehr gesittet. "Sophisticated Black Metal Art" indeed!

Nach so einer erhabenen Black Metal-Show, kann ich mir eigentlich nichts Besseres mehr vorstellen. Aber als patriotischer Oldenburger geht man einfach zu Obscenity, für eine amtliche Packung Death Metal auf der W.E.T.-Stage. Kurz vor dem Intro hört man noch Lemmy von Motörhead auf der True Metal Stage die Massen begrüßen und mit "Dr. Rock" einsteigen. Doch dann legen Obscenity auch schon los und erwischen mit "Incomplete" vom neuen Album einen super Start. Aber der Sound macht leider jede Freude zunichte. Die Fans stört es wenig und gehen gut ab, weil sie wissen, dass Obscenity sauguten Death Metal spielen. Nur hören tut man das heute nicht so gut. Nach 4 Songs verabschiede ich mich Richtung Motörhead, nur um nach "Over the top" festzustellen, dass die Setlist ab dort mit der aktuellen DVD bis auf den "Whorehouse blues" identisch ist. War eigentlich zu erwarten. Zu "Ace of spades" und "Overkill" kann man aber trotzdem immer wieder richtig gut abgehen. Das reicht mir als Festivalabschluss…
…mir nicht! Den für mich definitiv anstrengendsten Weg zum Festival-Gelände haben dann sicherlich die "Könige des Humppa-Metals", nämlich Finntroll zu verantworten. Letzter Festival-Tag und dann auch noch nachts um 0.45 Uhr. Zum ersten Mal muss ich mich wirklich zwingen, noch ein letztes Mal zum Gelände zu laufen. Und auch jetzt ist der Platz immer noch sehr gut gefüllt. Auch wenn die Lautstärke wieder einmal viel zu leise ist, und der neue und mittlerweile schon 3. Frontmann Mathias "Vreth" Lillmåns immer noch den Eindruck macht, als würde er am Boden kleben…den Fans scheint das alles egal zu sein, denn die Party, die hier und jetzt noch abgeht ist gigantisch. Und (nicht nur) mit "Trollhammaren" und "Jaktens tid" haben die Finnen auch wirklich zwei absolute Kracher im Gepäck.
Und JETZT geh ich auch schlafen!




Kritischerweise unterwegs, und manchmal nicht ganz Herr ihrer Sinne, waren…

Sigi - u.a. bei Wintersun, Nevermore, Carnivore, Hellfueled, Metal Inquisitor, Amon Amarth, Fear Factory, Morbid Angel, Atheist, Emperor, Obscenity, Motörhead

Marco - u.a. bei Scorpions, Mystic Circle, Legion of the Damned, In Extremo, Korpiklaani, Children of Bodom, Battlelore, Aborted, Caliban, Arch Enemy, Whitesnake, Finntroll