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Aeon

13. Januar 2009
Hamburg - Markthalle



Mit den Schweden von Aeon haben sich Metal Blade ein interessantes Stück Death Metal-Kunst ins Boot geholt. Und wenn sich sogar Cannibal Corpse persönlich für die Band stark machen, dann muss ja was dran. Ein Plausch mit Sänger Tommy Dahlström (2. von rechts) während ihrer Tour mit Hate Eternal ist da das Mindeste.



Tommy, die NWOOSTM (New Wave Of Old School Thrash Metal) ist ja derzeit voll im Gange. Chronologisch gesehen müsste in Kürze der amerikanische Death Metal der 90er wieder auf den Plan treten. Seit ihr dieser Entwicklung schon voraus oder steht ihr dann bald an deren Spitze?
Ich würde sagen, keines von beiden. Klar ist unser Sound sehr stark im US-Death Metal verwurzelt. Aber uns ist schon wichtig, dass wir diesen Stil nicht einfach kopieren , sondern unsere Variante davon bringen und auch andere Einflüsse mit einbeziehen.

Womit sich die Frage erübrigt, ob Authentizität wichtiger ist oder das Einbringen von Zusätzen, die aber passen - wie z.B. die Nevermore-Leads in Songs wie "Living Sin".
(lacht) Ja, das ist auf Zeb's Mist gewachsen. Er ist ein echter Nevermore-Freak. Er kann einfach nicht ohne seine Gitarre sein. Wenn er im Bus nichts zu tun hat, sitzt er da und spielt die ganzen Nevermore-Sachen runter (klar, das macht man ja auch mal eben so).

Da passt euer Endorsement-Deal mit der Gitarrenfirma Schecter (Nevermore’s Jeff Loomis spielt Schecter-Gitarren) ja genau ins Bild. Ist es heutzutage einfacher an solche Deals zu kommen? Ohne euch abzuwerten, ihr seid ja eher noch eine recht "kleine" Band.
Das ist schon okay. Der Deal mit Schecter lief ganz reibungslos. Zeb sagte eines Tages, er wolle mal bei Schecter anfragen. Und ohne große Diskussionen hatten wir ein paar Tage später die Zusage. Klar, dass wir die üblichen Promo-Aktionen mitmachen wie Gitarren präsentieren hier, Bilder machen dort. Aber sonst wars das.

Abseits der Musik fällt bei euch sofort das anti-christliche Auftreten auf. Was ist dran? Klischee oder klar fundiert?
Das ist alles real. Ich hatte fast mein ganzes Leben immer Probleme mit den Zeugen Jehovas. Es fing vor gut 16 Jahren an, als die zu zweit nachts in meine Wohnung kamen. Ich hatte leider nicht abgeschlossen und schon standen sie da, warfen mir eine Bibel an den Schädel und wollten mich zusammenschlagen. Am Ende habe ich sie mit schlagkräftigen Argumenten rausgeworfen. Und am nächsten Tag standen sie mit zehn Mann bei mir vor der Tür. Was die wollten, war klar. Aber dieses Mal hatte ich die Tür abgeschlossen. Das ging Jahre so. Polizei war dabei, sogar die Zeitung war dabei. Und irgendwie wollte ich meine Rache dafür. Ich habe auch einige sehr dumme Sachen getan, die mich in Schwierigkeiten gebracht haben. Grundsätzlich ist es den Jehovas zu verdanken, daß ich heute so bin, wie ich bin. Daher die antichristlichen Texte. Auf unserem letzten Album "Bleeding the false" gibt es den Song "Doorknocker", in dem geht es genau um diese besagte erste Nacht.

Dann richtet sich dein Hass schon eher gegen sektenähnliche Gruppierungen als gegen die üblichen Christen. Das ist selbst für uns Deutsche sehr nachvollziehbar.
Gut, mit den Christen hatte ich auch mal meine Probleme. Aber hauptsächlich die Jehovas, die mich einfach nicht in Ruhe lassen. Die gehen da viel aggressiver vor. Der Song "There will be no heaven for me" beschreibt den Tag nach dem ersten Vorfall, als die ganze Truppe vor meiner Tür stand.

Komm, sprechen wir über was Schöneres. Wenn das vor 16 Jahren los ging, darf ich fragen wie alt Du jetzt bist?
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Wann und wie hast Du mit Metal angefangen?
Da war ich 14. Da habe ich die ersten beiden Deicide-Alben gehört und fand das einfach nur geil. Dann kam Obituary mit "Slowly we rot" dazu. Und ich dachte nur: Wow, was für eine Stimme! Was macht der Typ da? So will ich irgendwann sein. Witzigerweise sagte man mir für einige Zeit nach, daß ich aber wie Glenn Benton klinge.

Echt?
Eben. Tue ich doch eigentlich nicht.

Ich dachte eher an Kyle Symons (Sänger bei Malevolent Creation auf "The will to kill" und "Warkult").
Oh, danke.


Gern geschehen. Und wie es sich für einen beinharten Metal-Fan gehört, muss man ihn auch mal auf Herz und Nieren prüfen. Bitte weiterlesen beim Listen & Say



Das Interview führte Siegfried Wehkamp.