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Death Feast Ultimate, 02.10.2009

Oberhausen - Turbinenhalle


… der etwas andere Bericht …

Eigentlich war es ja eine schöne Idee, zwei aktuelle Tourneen (Cannibal Corpse und Malevolent Creation) für den Oberhausen-Gig auf einen Tag zu legen. Gemäß des Festivalnamens sollte es ein Todesschmaus werden. Die Bands auf dem Festivalplakat treiben auf jedem Fall jedem Todesblei-Fan die Tränen in die Augen ... ein handschriftliches Plakat an der Hallentür auch (siehe rechts).

(Anmerkung: Malevolent Creation, Vomitory und The Modern Age Slavery werden aufgrund unseres Berichtes vom Hamburg-Konzert zwei Tage zuvor hier nur kurz erwähnt.)


Siebeneinhalb Stunden zusammen mit geschätzten 1.100 Fans in einer Halle ohne Frischluftzufuhr - außer man hält sich öfters in der Vorhalle auf, wo die Eingangstür nach draußen offen bleibt und man sich jede Menge Merchandising anschauen kann, oder neben den Getränken auch etwas zu Essen bekommt (Gott sei Dank). In diesem Falle überlege ich mir dreimal, wann ich die Halle schlußendlich betrete, so daß GRIND INC. nur peripher an meinen Lauschern vorbei ballern. Ihrem Namen scheinen sie alle Ehre zu machen. Auffällig ist hier bereits der ziemlich basslastige Sound. Ich denke mir erst mal, daß ja jeder Opener mit so was zu kämpfen hat.

Die Italiener THE MODERN AGE SLAVERY sind genau so stark wie in Hamburg und haben ebenfalls mit dem Sound zu kämpfen. Das Feedback nach dem Gig ist überraschend reichhaltig.

EVOCATION hatte ich vom diesjährigen Rock Hard Festival irgendwie grooviger in Erinnerung. "Feed the fire" bestätigt mich da. Aber vielleicht geben sie auch nur mehr Gas, damit sie aufgrund ihres Melodie-Anteiles nicht gegen die ganzen Baller-Bands den Kürzeren ziehen. Das Problem aber - wieder macht der Sound diesen Genuss zunichte. "Razored to the bone" gibt es als Abschluss.




Also wenn der Sound bei den deutschen OBSCURA nicht besser wird, sehe ich schwarz. Meine Freundin meinte nach der halben Stunde nur: "Viel zu durcheinander." Und sie hatte Recht, weil man von den technischen und melodischen Feinheiten nämlich so gut wie gar nix mitbekam. Der - zugegeben - pfeilschnelle, progressive Death Metal ist anspruchsvoll. Aber mit dem richtigen Sound hätten "The anticosmic overload" oder die Death-Verbeugung "Incarnated" richtige Erlebnisse werden können - so wie auf CD. Jedenfalls konnte man sehen, daß sich der neue Bassist perfekt integriert hat und technisch der Band in nichts nachsteht.




VOMITORY braten durch ihren Set genau wie in Hamburg, und bekommen Pits und Crowdsurfer als Dank. Der Sound bleibt aber wieder in unterirdischen Bereichen. MALEVOLENT CREATION ergeht es nicht viel besser. Durch 15 Minuten weniger Zeit, kürzen sie ihren Hamburg-Set um zwei Nummern und sind trotzdem fast zehn Minuten zu früh fertig... ach ja, es wird langsam lauter, aber nicht gerade besser.

Da habe ich mich durch die neue CD "Descend into depravity" gerade mit DYING FETUS angefreundet und freue mich auf die Band, doch das Sound-Massaker erreicht hier seinen vorläufigen Höhepunkt - zumindest meinen. Zum ersten Mal ertappe ich mich dabei, eine Band links liegen zu lassen, weil es einfach zu anstrengend ist, ihr zu folgen ... und sie konnten nichts dafür. Sie haben nämlich mächtig Dampf gemacht - und das als Trio.




Kassensturz vor dem Headliner: Der Sound macht aufgrund seines immensen Bass-Anteils zu schaffen, die immer stickigere Luft im Konzertsaal auch. Doch des Schreiberlings Liebe zur Musik möchte auch noch die letzte Band in voller Länge erleben.

Für CANNIBAL CORPSE sind 80 Minuten angesetzt (alle anderen hatten 30 bzw. 45 Minuten). HOFFENTLICH hat der Soundmann ein Erbarmen ... ihr erratet es schon? ... hatte er nicht. Der Sound erschien auf einmal unerträglich laut und die Gitarren mussten sich speziell in den schnellen Passagen durchkämpfen - also oft. Ein kurzer Toilettengang und die dadurch verpasste Ansage machte einen Song entsprechend unerkennbar (siehe Setlist). Addiert man das eingangs erwähnte "Problem" dazu, machte selbst ein Cannibal Corpse-Auftritt nicht mehr wirklich Spaß. Die Band selbst war natürlich klasse. Live eine absolut präzise Macht, der kaum jemand das Wasser reichen kann. Der einzige Vorwurf, den ich den Kannibalen machen könnte, hat etwas mit mehr Mut zu Neuem zu tun. Die Setlist beinhaltete quasi null Überraschungen und machte das Warten auf das unvermeidliche End-Doppel "Hammer smashed face"/"Stripped, raped & strangled" schwierig. Mit den letzten Tönen stand ich dann auch bereits vor der Tür.




Setlist - Cannibal Corpse

Evisceration plague
The time to kill is now
Disfigured
Death walking terror
I cum blood
Fucked with a knife
Sentenced to burn
(?)
The wretched spawn
Perverse suffering
Scalding hail
Make them suffer
Pit of zombies
Shatter their bones
Vomit the soul
Priests of sodom
Unleashing the bloodthirsty
A skull full of maggots
Hammer smashed face
Stripped, raped & strangled



Fassen wir zusammen: Den Bestimmungen des Ordnungsamtes kann man sich als Veranstalter wohl schwer widersetzen. Da mussten leider alle durch. Zumindest wurde für Essen gesorgt. Aber die Sache mit dem Sound wäre meines Erachtens lösbar gewesen. Gerüchten zufolge soll es in der großen Turbinenhalle schon immer schwierig gewesen sein. Also weiß man so etwas vorher. Alles in allem ein schöner, aber kräftezehrender Abend mit fadem Beigeschmack, für den die Bands nichts konnten.



Text & Fotos: Siegfried Wehkamp