Vor fünf Jahren sah ich Hatebreed zum ersten Mal in der Hamburger Markthalle und ich erinnere mich noch, daß es relativ voll war und der Schweiß von der Decke tropfte. Heute sind es draußen auch fast 30 Grad und die Markthalle ist zu drei Viertel voll. Hatebreed sind weiter im Vormarsch und haben mit "Supremacy" ihr in Deutschland bestverkauftes Album am Start. Ein schweißtreibender Abend ist also vorprogrammiert.
Den Anfang des Reigens dürfen die Bremer Hardcore-Recken von D.T.A. machen, die auch einige Fans mitgebracht haben. Die Band ist überglücklich auf diesen Brettern stehen zu dürfen, und feuern 30 Minuten ein Old School Hardcore-Bollwerk ab. Nicht spektakulär, aber die ersten "Ruderer" und "Radschläger" machen vor der Bühne schonmal Wind.
Ein Blick auf ein Poster am Merchandising-Stand zeigt mir den Bandnamen KARRAS und drei Frauen mit einem Herren. Nanu? Kurz darauf entern Ela, Corinna und Sabine (Gitarre, Bass, Schlagzeug) die Bühne, und föhnen der ersten Reihe erstmal gehörig den Scheitel gerade. Uff! Mit ihrem baumlangen Fronter Lars und einem brutalen Metalcore-Mix fordern sie den Anwesenden immer mehr Applaus ab, während ein paar Nachwuchs-Proleten die typischen "Ausziehen"-Sprüche klopfen. Sehr armselig, denn die Darbietung ist erste Sahne - immense Power, spielerisch präzise mit deftigen Riffs, einigen höllischen Blastbeats und das Ganze eigentlich sogar lässig rüber gebracht. Hier fühlt man die Erfahrung, die die Band bereits auf Touren mit Illdisposed, Mnemic oder Ignite gesammelt hat. So und nicht anders wird das Wort "Anheizer" definiert. Klasse!
Warum dauern Umbaupausen immer so lange?! Ist es nicht schon warm genug hier drinnen? Aber wen interessiert das schon, wenn Hatebreed die Bühne entern und 70 Minuten lang einfach nur Vollgas geben und selbst keine Ermüdungserscheinung zeigen. Das Publikum zieht da freilich mit und bestätigt die Aussage von Szene-Sympathikus Jamey Jasta, "man habe einige wirklich gute Erinnerungen an Hamburg und wurde immer gut behandelt." Jasta dirigiert sein Publikum nach Belieben, bedankt sich für die Verkaufszahlen und applaudiert aus Dankbarkeit zurück. Schön zu sehen, daß es wirklich noch von Grund auf ehrliche Menschen gibt. Über die Setlist noch Worte verlieren ... wozu?! Dann eher über die effektvolle Lightshow in Form von 12 senkrechten Neonröhren als Backdrop-Ersatz, die mit tollen Wechseln für erhabene Stimmung sorgten. Auf's Wesentliche reduziert und dabei umso effektiver - also passend zur Band. Hatebreed waren auch heute wieder eine Macht, und der Schweiß tropfte abermals von der Decke. Hammer!
Setlist - Hatebreed
Never let it die Proven You're not alone Thirsty & miserable Doomsayer Divine judgement A call for blood Tear it down Smash your enemies To the threshold Straight to your face Perseverance Before dishonor The most truth Defeatist As diehard as they come Last breath Live for this