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Evocation
Opeth
Amorphis
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Full Of Hate
Paradise Lost, 22.11.2009

Hamburg - Markthalle
Support: Samael, Ghost Brigade


Ich möchte hoffen, dass der Gig der britischen Gothic Metal-Könige kein böses Omen bezüglich des heutigen Totensonntag ist. Lead-Gitarrist und musikalische Seele Greg Mackintosh blieb zu Hause, da sein Vater schwer krank ist, und wird vom hauseigenen Gitarrentechniker Milly Evans vertreten. Wie das klappte? Dazu später.


Denn zuerst sind die Daten auf den Konzertkarten mal wieder halb Schrott. Der Einlass ist zwar ordnungsgemäß im 20 Uhr. Die Finnen GHOST BRIGADE beginnen aber schon eine halbe Stunde später anstatt wie angekündigt um 21 Uhr. So entgeht einigen Besuchern ein starker Opening-Act, der bestens zur Tour passt. Man könnte meinen, Opeth würden sich Chart-Appeal auf ihre Fahne schreiben und trotzdem eine moderne The Ocean-Core-Schlagseite hinzufügen. Die Wechselspiele zwischen emotionalen Akustikpassagen und kräftigen Wutausbrüchen sind sehr organisch gehalten und das authentische, energische Stageacting machen es mir unmöglich, mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Memo an mich: Dringend die neue CD "Isolation songs" kaufen!




Endlich mal SAMAEL sehen. Auch wenn die Schweizer meine Wege immer nur peripher gekreuzt haben, bin ich doch gespannt, wie das Ganze so wirkt. Mit Drumcomputer-Gebieter Xy, Leinwandprojektionen und einem Charakterkopf wie Fronter Vorph (bei "Infra galaxia" auch ohne Gitarre stark) läuft eigentlich alles wunderbar. Songs wie "Into the pentagram" aus Debützeiten (seinerzeit noch mit echten Drums) oder "Rain" wirken ja normalerweise Wunder. Doch in der gewohnt schwülen Markthalle haben die Fans offensichtlich nicht so viel Freude am zugegeben sterilen Sound der professionell agierenden Band. Der letzte Funke wollte einfach nicht überspringen.




Rechnet man den unverschuldet zwiespältigen Auftritt vom 2008er Rock Hard Festival nicht mit, sehe ich PARADISE LOST heute seit 11 Jahren endlich in voller Pracht wieder. Und das mit dem seit "Draconian times" wohl besten Album im Gepäck. Dass ein Song wie das schwermütige "First light" selbst nach dem recht früh platzierten Überhit-Doppel "As I die"/"The enemy" nicht für Stimmungsabfälle sorgt, ist der beste Beweis dafür. Die Setlist ist am heutigen Abend eh Zucker. Bei "Enchantment" fühle ich mich direkt in die 90er versetzt - ein grosser, magischer Moment. Die Frage war aber im Vorfeld, wie Milly Evans den zu Hause gebliebenen Greg Mackintosh vertreten würde (s.o.). Ohne jegliche Erwartungen lautet die Antwort: Beeindruckend gut. Der recht junge Mann scheint sich wirklich bestens mit dem Material der Band auszukennen, zockt das volle Programm ohne nennenswerte Schnitzer (selbst das Solo von "Pity the sadness" ist fast original!) und taut ab "Frailty" richtig auf, so dass man für den Rest des Gigs auf der Bühne eine echte Einheit vorfindet. Vor dieser Leistung ziehe ich respektvoll meinen Hut. Man kann mutmaßen, wie der Gig mit Greg verlaufen wäre, aber unter diesen Umständen habe ich heute Abend einem erstklassigen Paradise Lost-Gig beiwohnen dürfen, der nur kurzweilig durch das etwas hüftlahme Publikum geschmälert wird. Nach dem offiziellen Teil gab es nicht mal "Zugabe!"-Rufe, sondern nur spärliches Klatschen ... wofür ich eine Fremdschämminute einlege. Bleiben wir bei der Musik - Paradise Lost das nächste Mal wieder in kompletter Besetzung und ähnlicher Setlist, das wäre ein Triumphzug. Heute nur nah dran. Aber die Songs trällere ich auch noch Tage später vor mich hin - eben der Stoff, aus dem die ganz Großen gemacht sind.




Setlist - Paradise Lost

The rise of denial
Pity the sadness
Erased
I remain
As I die
The enemy
First light
Enchantment
Frailty
One second
No celebration
In requiem

Faith divides us - Death unites us
The last time
Say just words



(sw)