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Full Of Hate
Walls Of Jericho, 04.08.2009

Vechta - Gulfhaus
Support: The Red Chord, Accessary, Kinetic System


Auch wenn ich Walls of Jericho erst vier Tage zuvor auf dem Wacken Open Air gesehen habe - aber wenn eine Band dieser Größenordnung schon im beschaulichen und nur 60km entfernten Vechta Halt macht, dann ist es natürlich meine Pflicht, mir das mal genauer anzuschauen.


Den heutigen Abend eröffnen dürfen bzw. müssen KINETIC SYSTEM aus dem friesischen Jever. Müssen deshalb, weil draußen noch so herrlich die Sonne strahlt, und sich viele Besucher des Konzertes lieber erst noch vor statt im Gulfhaus aufhalten. So hat man dann die etwas undankbare Aufgabe, vor rund 50 Leuten den heutigen Opener zu mimen. Die Stimmung ist zwar noch etwas verhalten, aber der melodische Metalcore/Screamo-Mix mit vereinzelten ruhigeren Passagen kommt durchaus gut an. Der Sänger macht dabei einen wirklich vernünftigen Job, die Saitenfraktion ebenso, und für eine kleine Überraschung sorgt eigentlich der Drummer, dem ich aufgrund seines jungen Alters und seiner Statur, zwar so manches zugetraut hätte, aber nicht das, was er in dem rund 35-minütigen Set auf seinem Drumkit abliefert. Alle Achtung!




Im Laden wird es etwas voller - Heimspiel für ACCESSARY. Das mehr oder weniger geschmackssichere Intro (Scooter, "I feel hardcore"), lässt erahnen, daß es musikalisch im Folgenden etwas härter zu Sachen gehen dürfte. Und ja, die ebenfalls noch recht junge Truppe hat sich dann doch eher dem wütenden Hardcore verschrieben. Die Stimmung steigt, und der erste kleine Circlepit startet, bei dem es sich Accessary-Sänger Fabian nicht nehmen lässt, mit Mikro in der Hand spontan in eben diesen mit einzusteigen. Und selbst eine gerade mal 15 Mann starke Wall of Death ist etwas amtlicher, als das auf dem Papier vielleicht klingen mag. Der cleane Gesang von Bassist Tobias ist zwar durchaus geschickt gesetzt, wirkt aber live teilweise ein bißchen gequält, ähnlich wie bei Caliban. Ansonsten aber: Klasse Show.



Mit THE RED CHORD steht dann nicht nur der eigentliche Toursupport auf der Bühne, sondern auch die härteste Band des Abends, die in ihrem gerade mal 40 minütigen Set von Beginn an ihren druckvollen und teils verfrickelten Grind-/Death-/Mathcore in die Menge bläst. Das kommt zwar verdammt mächtig und aggressiv rüber, lockt aber auch wieder einige zweifelhafte Gestalten vor die Bühne, die wild um sich treten und schlagen, und so ein bißchen die Freude an diesem Auftritt nehmen. Egal, solche Leute ignoriert man besser, und wendet sich lieber wieder der Musik zu. Fronter Guy Kozowyk shoutet herrlich bedrohlich, die musikalische Fraktion läuft rund wie eine Maschine, und man präsentiert bereits einen Song vom demnächst erscheinenden neuen Album. Ob Circlepit, Headbangen oder einfach nur mitwippen - letztendlich scheinen alle mehr als zufrieden zu sein.




Bei WALLS OF JERICHO wird dann schnell klar, wer der heutige Headliner ist. Das Gulfhaus ist mittlerweile gut gefüllt - ich schätze mal rund 150 Leute. Die Band macht mit "The prey" gleich ordentlich Druck und Frontfrau Candace Kucsulain wirbelt ununterbrochen über die Bühne. Die Setlist lässt dabei einmal mehr keine Wünsche übrig. Neueres Material wie "Feeding frenzy", Klassiker wie "There's no I in fuck you", und ältere Songs wie "Playing soldier again" werden nacheinander präzise abgefeuert. Candace sucht dabei immer wieder den Kontakt zu den Fans in den ersten Reihe, was für eine großartige Stimmung im mittlerweile übelst schwülwarmen Gulfhaus sorgt, und Gitarrist Chris Rawson liefert zwischenzeitlich die reinsten akrobatischen Showeinlagen in Form von diversen Luftsprüngen ab.
Leider entpuppt sich auch die Spielzeit der Band aus Detroit als ausgesprochen kurz. Der offizielle Teil ist bereits nach knapp 40 Minuten zu Ende, aber bei der Zugabe in Form von "The American dream" geben Band und Publikum nochmal alles. Und siehe da, pünktlich zu den letzten Takten findet sogar noch ein Stagediver seinen (kurzen) Weg ins Publikum...




Setlist - Walls of Jericho

Intro
The prey
A little piece of mine
And hope to die
There's no I in fuck you
Playing soldier again
Day and a thousand years
All hail the dead
Welcome home
Feeding frenzy
A trigger full of promises
I know Hollywood and you ain't it
Try fail repeat

The American dream



Text & Fotos: Marco Zimmer