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Hackneyed, 05.11.2010

Hackneyed, Undertow, Pride Shall Fall
Bremen - Tower


Das Schwaben-Doppel Hackneyed und Undertow gemeinsam auf Tour. Musikalisch sicherlich nicht so wirklich passend, aber den Grund für diese recht ungewöhnliche Konstellation erfahren wir vor dem Konzert beim Interview mit Undertow-Bassist Thomas Jentsch: Undertow-Drummer Rainer Pflanz ist hauptberuflich Lehrer, und hat somit nur in den Ferien Zeit zum Touren. Bei Hackneyed sieht das von der zeitlichen Seite her ganz genauso aus, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass einige der Bandmitglieder noch zur Schule gehen. Manchmal liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede eben erstaunlich dicht beieinander...


 

Den heutigen Abend eröffnen PRIDE SHALL FALL. Der Fünfer aus Bremen scheint musikalisch zwar etwas Fehl am Platze, aber da die Band zum Booking Rooster des heutigen Veranstalters zählt, braucht man sich darüber nicht weiter wundern. Dank des Heimspiels und ein paar "mitgebrachten" Fans, kann die Truppe zumindest für ein bißchen Stimmung sorgen, was nicht zuletzt auch an Fronter Warren liegt, der einen ziemlich ordentlichen Job abliefert. Und auch musikalisch ist das Dargebotene - eine Mischung aus Metalcore/Hardcore und Melodic Death Metal - eine runde und kurzweilige Angelegenheit.


 

Danach bietet sich den Anwesenden ein völlig anderes Bild auf der Bühne. UNDERTOW sind ein musikalisches Schwergewicht, und offensichtlich nicht so "mein Ding" für das vorwiegend jüngere Publikum. Applaus gibt es zwischen den Songs trotzdem ordentlich, und auch Sänger/Gitarrist Joschie sammelt Pluspunkte mit unverkrampften, sympathischen Ansagen. 50 Minuten lang geben die Herren die Highlights ihrer letzten beiden CDs "Milgram" (2006) und "Don't pray to the ashes …" (2009) zum Besten, und beweisen einmal mehr, dass das Attribut "die deutschen Crowbar" zwar im Kern vielleicht noch stimmt, man aber schon längst die eigene Identität mit Großartigkeiten wie "Stomping out ignorance", "Threedouble chime" oder "File under unexpected" eindrucksvoll untermauert. Am Ende bleibt für mich ein noch viel interessanterer Eindruck: Ein Trio, starke Songs, Unbekümmertheit - Undertow haben einfach gerockt. Leider nur halt vor einer eher spärlicheren, und doch eher desinteressierten Kulisse. Schade.

Undertow 



Nach dieser etwas unfreiwilligen kleinen Verschnaufpause, wird es nun rappelvoll im Bremer Tower. Und im Vorfeld eventuell aufkommende Fragen, wer denn nun heute bzw. generell bei dieser Tour der Headliner ist, werden spätestens nach dem Intro mit den ersten Takten des Openers "Axe splatter" mehr als eindeutig beantwortet: Natürlich HACKNEYED! Der Tower steht förmlich Kopf. Headbanger, Circlepits - überall ausgelassene Stimmung. Mit den beiden folgenden "Worlds collide" (stark!) und dem groovigen "Ravenous" setzt das eröffnende Triple des überragenden Debütalbums "Death prevails" ein klares Ausrufezeichen. Der Sound des jungen Quintetts aus Abtsgemünd wird gerne mal als "eine Mischung aus Cannibal Corpse, Job For A Cowboy, Decapitated und All Shall Perish" (RockHard) bezeichnet, was man kaum treffender formulieren könnte. Klassischer Death Metal der amerikanischen Sorte, mit einer ordentlichen Portion moderner Härte - und das kommt auch bei den jüngeren Gästen im Publikum bestens an. Zwischen Hits wie "Deatholution" und "Gut candy", sowie insgesamt viel Material vom zweiten Album "Burn after reaping", entern dann plötzlich die Herren von Undertow die Bühne, und schießen - zum heutigen Tourabschluß - mit Konfettipistolen um sich, was sowohl beim Publikum, als auch bei Hackneyed für reichlich Erheiterung sorgt (insbesondere Gitarrist Devin Cox kommt aus dem Grinsen kaum noch heraus). Ja, so sind sie halt, die Schwaben.
Das Gitarrenduo Cox/Sierra klampft sich bärenstark durch das Set, die Drums donnern zu jeder Zeit wuchtig durch den Raum, und auch Neuzugang Tini am Bass fügt sich bestens in das Gesamtbild der Band ein. Über allem thront natürlich Sänger Philipp Mazal, der sich absolut erstklassig durch die Songs growlt und grunzt. Wie so oft bei (erstklassigen) Konzerten, ist natürlich auch dieser Gig viel zu schnell zu Ende. Zum Glück bleibt die Erkenntnis zurück, dass Hackneyed nicht nur eine verdammt gute Band aus deutschen Landen ist, sondern heute auch den Tower in Bremen eindrucksvoll "zerlegt" haben.

Hackneyed 



Setlist - Hackneyed

Intro
Axe splatter
Worlds collide
Ravenous
Finger on the trigger
Deatholution
Weed flavoured meat
Home meat home
Gut candy
Guantanamo Bay holiday
Bone grinder
March of the worms
Last man on earth
Mental mastication



Text Undertow: Siegfried Wehkamp
Alles andere + Fotos: Marco Zimmer