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Resurrection, 12.10.2010

Hamburg - Astra-Stube
Support: Solace Of Requiem, Alibi For A Murder

Willkommen in der Astra-Stube zu Hamburg! Es ist eine Stube, es ist eine Kneipe, die Bühne nimmt den halben Raum ein, und ist gerade mal eine Treppenstufe hoch. Dieses Venue - ab sofort von mir ganz charmant nur noch "die Stube" genannt - hat sich vorgenommen, in regelmäßigen Abständen ihre "Metal Fortress" zu veranstalten. Soll heißen - Metal-Gigs mit anschließender Beschallung aus der Konserve als Disco-Alternative. Vornehmlich sollen hier in diesem Rahmen lokale bzw. Underground Bands zu Gast sein, doch an diesem Dienstag Abend als Special angekündigt, gab es eben ein spezielles Häppchen für die Death Metal-Gourmets der 90er.
Unter Kennern sind Resurrection natürlich durch ihr Album "Embalmed existence" von 1993 bekannt, welches auch heute noch als höchst eigenständiges Werk dieser Epoche gilt. Nun geben sie sich auf ihrem allerersten Europa-Abstecher die Ehre - natürlich auch noch mit ihrem 2008er Comeback "Mistaken for dead" im Rücken. Im Vorfeld war klar, dass nur Sänger Paul DeGolyer und Gitarrist John Astl als verbliebene Urmitglieder mit von der Partie sein würden … doch es sollte noch schlimmer kommen.


 

In dieser herrlichen Wohnzimmeratmosphäre mit Kneipencharme eröffnen ALIBI FOR A MURDER aus Warendorf (bei Münster). Ein bunt zusammen gewürfelter Extreme Metal-Haufen. Das Quartett um Fronter Damian Wolters (mit Brian Fair-Gedächtnis-Dreads) ballert sich durch seinen Set irgendwo im Querschnitt zwischen The Black Dahlia Murder, Job For A Cowboy, Despised Icon und ähnlichen Verdächtigen. Die Lautstärke in der Stube war aber bereits so ordentlich, dass ohne Oropax nicht viel ging, dadurch aber die optisch erkennbaren technischen Kabinettstückchen nicht so recht hörbar waren. Etwas schade.

Als nächstes waren dann SOLACE OF REQUIEM an der Reihe, dem wie gewohnt etwas hüftsteifen, nordischen Publikum mal ordentlich auf den Zahn zu fühlen. Beim noch recht jungen Quartett aus Virginia Beach/USA hört man von Beginn an die große Verbundenheit zum Death Metal. Zwar kann die Band - vielleicht auch wegen des Alters - eine gewisse Artverwandtheit mit Bands wie Job For A Cowboy oder Annotations Of An Autopsy nicht ganz leugnen, doch im Laufe des Set bemerkt man schnell, dass die Band auch sehr wohl in der Tradition großer Meister wie Morbid Angel stehen. Das Stageacting sitzt, Sänger/Bassist Jeff Sumrell hält die Kommunikation zum Publikum immer vernünftig aufrecht, die Songs haben Eier - ja, die Amis haben in Hamburg eine gute Visitenkarte mit kleinem Sternchen abgegeben.

Kurz nach Mitternacht (!! - wieso fängt man an einem Dienstag erst um 22 Uhr an?!) betreten endlich RESURRECTION die Bretter der Stube - bzw. das, was von der Band übrig ist. Zuerst vermisse ich einen zweiten Gitarristen (auf Nachfrage wird an jener fehlenden Person kein gutes Haar gelassen…) und am Mikro steht wieder Jeff von Solace Of Requiem, der das "warum" kurz erläutert: Paul DeGolyer war die ersten drei Tage der Tour dabei, musste aber wieder zurück in die USA fliegen, da seine Mutter einen Herzinfarkt erlitten hat (von unserer Seite natürlich beste Genesungswünsche). So wurde Jeff kurzerhand gefragt, ob er denn einspringen könne, er aber mit einem "ich kann aber nur die Songs vom Debüt" konterte. Fazit daraus: Es werden nur Songs von "Embalmed existence" gespielt, was bei den Anwesenden natürlich bestens ankam. So zockte das Sammelsurium um John Astl leider nur sechs Songs plus ein verzichtbares, wenn auch verständliches Drumsolo von "Mr. Outrageous" - so von Sänger Jeff betitelt. Jener Jeff lieferte darüber hinaus eine bärenstarke Leistung ab, ohne jeglichen Anflug von Text-Hängern. Selbst John Astl ließ sich durch leichte Technikprobleme nicht aus der Ruhe bringen, liefert Riffs am laufenden Band und irgendwie wurde aus der zugegeben beknackten Situation doch noch ein cooler, wenn auch skurriler Auftritt, den die +/- 25 Zahlenden (!) mit nicht wenigen Merchandising-Einkäufen quittierten. Ich bin irgendwie trotzdem froh, dabei gewesen zu sein.



Text & Foto: Siegfried Wehkamp