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Devin Townsend, 09.03.2011

Hamburg, Grünspan
Support: Aeon Zen


Frechheit! Da spielt Devin Townsend auf seiner aktuellen Europa-Tour nur drei Gigs in Deutschland (Hamburg als einziger im Norden) und der Grünspan ist nicht mal ausverkauft! Ich schäme mich dafür ganz still und freue mich umso mehr, dass ich den Canadian Wizard nach fast acht Jahren wieder on stage erleben darf.


 



Wenn Devin Townsend spielt, kann man als Vorband schon mal untergehen. Nicht so AEON ZEN! Die Band um den britischen Jungspund Rich Hinks gibt ein dermaßen cooles "up-to-date Prog Rock/Metal"-Gemisch zum Besten, dass der Applaus sich zum Ende hin derbe hochschraubt. Dazu muss man wissen, dass Hinks (gerade mal 21 Jahre jung!) auf Konserve für ALLE Songs UND Instrumente allein verantwortlich ist. Live nur als Bassist und Co-Sänger tätig, wird er von einer erstklassigen Mannschaft begleitet, zu der auf dieser Tour u.a. der großartige, schwedische Sänger Andi Kravljaca (Silent Call) und Dragonforce-Keyboarder Vadim Pruzhanov (ganz in schwarz und mit kurzen Haaren … ui!) gehören. Die Songs sind dynamisch, atmosphärisch und gehen mit ihren teils 3-stimmigen Vocals mächtig ins Ohr - da gehen nach dem Gig die beiden CDs "A mind's portrait" (2009) und "The face of the unknown" (2010) für je 5 Euro weg wie geschnitten Brot. Egal, wer die Band für diese Tour gebucht hat, er hat die Dreifach-Belobigung mit silberner Schleife verdient.



In der Umbaupause läuft "Ziltoid Radio" mit solch "passenden" Songs von Aqua, Lou Bega, Katie Perry, Abba und den Bee Gees! Nun spricht über die beiden Leinwände neben dem Drumkit Ziltoid höchst selbst zu uns, labert Quatsch, macht Faxen und ebnet den Weg für den unnachahmlichen DEVIN TOWNSEND, der sich Showman-like im silbernen Nadelstreifenanzug (!) präsentiert. Der Jubel kennt keine Grenzen und man fühlt, heute Abend kann hier nichts schief gehen. Als nach dem Opening-Doppel "Addicted!"/"Supercrush!" bei Drummer Ryan die Kickdrum ausfällt, ergreift Devin auch sofort die Initiative. "Wie geht's dir? Und dir? Wie geht's dir? Dir geht's Scheiße? Liebes Publikum, dem Herrn hier vorne geht es richtig dreckig. Würdet ihr ihn bitte alle mal knuddeln?" Köstlich! Devin Townsend, der Entertainer. Nein, er ist und bleibt ein Magier.



Egal, welche Töne er seiner Gitarre entlockt, welche Grimassen sein Gesicht zieren oder wie traumwandlerisch er seine einzigartige Stimme durch das Set manövriert - er verzaubert heute Abend wirklich alle Anwesenden. Er präsentiert sein monumentales "Kingdom". Er schießt uns mit "Dead head" zur Sonne (mit tollen Projektionen auf den Leinwänden), wo "Truth" begraben liegt. "By your command" geht es wieder zurück zur Erde, wo "Life" frohlockt und wir den "Earth day" feiern, bis der verrückte "Bad devil" durch den Club swingt. Und dann ist Pause … wie jetzt?! "Der Moment, wo die Band vorgibt, nicht wieder zu kommen. Aber ihr wisst natürlich, dass wir wieder kommen. Außerdem stehen wir eh gleich da vorne und machen nur kurz Pause." Spricht es, verschwindet mit der Band neben der Bühne, nur um zwei Minuten später in der ersten Reihe "Shake hands" zu verteilen und wieder die Bühne zu entern. Von dort weiterhin mit vollem Elan bei der Sache: "Wer das bis jetzt langweilig fand, sollte lieber gehen. Bitte geht! Denn was jetzt folgt, ist genau so langweiliger Quatsch." Nee, is klar, Devin … als dann "Color your world" rabiat über die Köpfe fegt, verliere ich mich ob dieser universalen Klänge für einen Augenblick im Devin Townsend-Kosmos und vernehme "The greys" nur nach schemenhaft. Doch beim traumhaft schönen Finale "Deep peace" bin ich wieder da. So manches Pärchen hätte wohl gerne "Slow me down" gehört, aber zum Abschied nehmen und dabei Kuscheln hätte es nicht perfekter sein können. Das Paradies war heute auf Erden in Hamburg!



Doch weit gefehlt. Der Meister kehrt nochmal zurück und benötigt Hilfe für den allerletzten Track. Flugs stehen auf der Bühne über ein Dutzend Fans, die mit Band und Publikum bei "Bend it like Bender!" der großartigen Party den Abschluss geben. Devin liebt es, lässt sich fotografieren, filmen und samt Gitarre durch die Gegend tragen. Man sieht ihm an - er ist glücklich. Da war er definitiv nicht der Einzige!


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp