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Evocation, 04.11.2011

Aurich, JuZ
Support: Lifeless, Battue

Unter dem Banner 'Schlachtfest' konnte man die Schweden von EVOCATION ins kleine ostfriesische Aurich holen. Das alleine ist schonmal ein ganz dickes Lob für den Veranstalter wert. Als Support dürfen heute sowohl LIFELESS, als auch die Lokalhelden BATTUE der Meute einheizen. Das alles klingt nach einem gut besuchten Abend, zumal es noch dazu ein Freitag ist.


 



Den Titel 'Lokalhelden' tragen BATTUE sicherlich zu Recht. Das kleine JuZ ist kurz vor dem Auftritt bereits sehr gut gefüllt (vielleicht 80/90 Leute) und geschätzt trägt irgendwie jeder zweite ein Battue-Shirt ... das scheint gleich also eine extrem dicke Party zu werden. Aber komischerweise will anfangs nicht so wirklich Stimmung aufkommen. Alles ist noch sehr verhalten und erst ab der Mitte des Sets (das für meinen Geschmack für einen lokalen Opener mit 45 Minuten zu lang ist) kommt ein bisschen Bewegung in die ersten zwei, drei Reihen. Da hätte ich dann doch wesentlich mehr erwartet. Und wie ich erst kürzlich schonmal geschrieben hatte: Technisch geht das, was die Jungs da abliefern, völlig in Ordnung, aber gesanglich spricht's mich leider nicht so wirklich an.

Aus Dortmund kommen LIFELESS, die heute leider das Handicap haben, auf ihren zweiten Gitarristen verzichten zu müssen (aus welchen Gründen auch immer). Aber Sänger Marc nimmt's humorvoll und gelassen: "Ich hoffe, ihr verzeiht, dass ein paar Soli fehlen, aber das merkt ja eh keine Sau!" Recht hat er irgendwie, denn wenn man - so wie ich - heute den ersten Kontakt mit dieser Band hat, fällt das eigentlich auch nur deshalb auf, weil man es jetzt eben weiß. Trotzdem, das, was die zum Trio geschrumpfte Truppe heute abliefert, ist wirklich verdammt stark. Ein massiver Death Metal-Rundumschlag, der deutlich nach alter schwedischer Schule klingt und Einflüsse von Dismember, Grave, Entombed und Unleashed heraushören lässt. Und da passt es - gerade heute - natürlich umso mehr, dass ihr Debütalbum "Beyond The Threshold Of Death" von Evocation's Vesa Kenttäkumpu gemastert wurde. Einen Großteil des Publikums scheint das allerdings wenig zu interessieren. Bis auf vielleicht 30 Leute stehen alle anderen draußen zum Quatschen und Rauchen (sowas finde ich wirklich erbärmlich). Mir soll's letztendlich aber egal sein. Ich genieße Abriss-Songs wie das mit einem sehr variablen Tempo ausgestattete "Under The Sign Of The Iron Cross" und das mächtige "Death To The Bone" (das sogar den Weg auf den Soundtrack des US-Amerikanischen Horrorfilms "Afterparty Massacre" gefunden hat). Ich bin vollends überzeugt und freue mich schon auf das nächste Konzert dieser Band, dann hoffentlich wieder mit zwei Gitarristen.

Lifeless 



Zumindest zu EVOCATION finden sich dann wieder alle Besucher im JuZ ein und zum ersten Mal heute ist hier wirklich Stimmung hörbar und auch Energie spürbar. Die Schweden starten eindrucksvoll mit "Infamy" und spätestens beim darauf folgenden "Tomorrow Has No Sunrise" (ein echter Hit!) erreicht die Bewegung im Publikum einen ersten Höhepunkt. Hier geht heute also doch noch was. Sänger Thomas Josefsson versucht sich hier und da mit deutschen Ansagen und das Gitarrenduo Palmén/Kenttäkumpu schüttelt die großartigsten Schweden-Riffs reihenweise aus den Ärmeln. "Sweet Obsession" ist der nächste überragende Song, der lauthals abgefeiert wird, bis die höchst sympathische und bestens aufeinander eingespielte Truppe dann auch noch mit dem 92er "The Ancient Gate" eine uralte Perle aus dem Hut zaubert. Klasse! Es folgen noch Highlights wie das groovige "Dead Calm Chaos" und das fantastische und abschließende "Feed The Fire", bei dem das Publikum ohne viel Bitten zu Mitsingspielchen animiert werden kann. Das ist heute durchaus ein kleiner Siegeszug, der - wieder einmal - viel zu schnell zu Ende ist. Erstaunlicherweise ist eigentlich gar keine Zugabe geplant (wie mir später auch die Setlist bestätigt), doch das Publikum lässt nicht locker und so lassen sich die fünf Schweden spontan noch zu einem weiteren Song hinreißen. Bloß welchen? Sänger Thomas fragt einfach mal in den ersten Reihen nach, welchen Song sie noch gerne hören möchten und die Meinung scheint annähernd einstimmig zu sein. Nach einer kurzen Beratung auf der Bühne und dem Hinweis, dass man diesen Song schon lange nicht mehr gespielt hat, folgt als letzter und nicht eingeplanter Song das extrem starke und rasante "The Dead" ... restlose Begeisterung in allen Gesichtern - bei mir sowieso! Zweifelsfrei eins der besten Konzerte seit Monaten!

Evocation 



Setlist - Evocation

Infamy
Tomorrow Has No Sunrise
Reunion In War
Silence Sleep
Angel Of Torment
Sweet Obsession
Apocalyptic
The Ancient Gate
Dead Calm Chaos
Truth Will Come
Psychosis Warfare
Feed The Fire

The Dead



Text & Fotos: Marco Zimmer