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Misery Index, 31.07.2011

Oldenburg, Amadeus
Support: Resistance, Damnation Defaced, Nailed To Obscurity


Mensch, April ist doch noch gar nicht so lange her. Da standen noch Obituary auf der Oldenburger Amadeus-Bühne. Und nun sind mit Misery Index gleich die nächsten Krawallmacher vor Ort. Metal-Konzerte in der Heimatstadt sind irgendwie immer noch ungewohnt.


 



Manchmal ist es doch ein Kreuz mit Vorbands. Ja, alle müssen irgendwo ihre Brötchen verdienen und sie haben es nie leicht, weil fast jeder nur für den Headliner da ist. Doch könnte man sich - sage ich jetzt mal bewusst subjektiv - trotzdem etwas mehr ins Zeug legen und nicht erst beim letzten Song aus sich rauskommen. NAILED TO OBSCURITY aus Ostfriesland boten einer überschaubaren Menge melodischen Midtempo Schwedentod mit 90er Prägung, den man mögen kann, wenn man auf uralte Amorphis steht oder sich Desultory ohne Biss und ohne Tempo vorstellen kann. Wirklich gerissen haben sie aber nichts.

Nailed To Obscurity 



DAMNATION DEFACED aus Celle warten als Nächstes auf und überraschen am Anfang schon mal mit synchron bangendem Sänger und Drummer (!). Ihr progressiver Death Metal will nicht so recht in eine einzelne Sparte passen, hat aber genau da seinen Vorteil. Man hält sich viele Seiten offen und arbeitet abseits von gängigen Formaten. Für so manchen Zuschauer ist das vielleicht heute etwas zu viel Intellekt, doch knackige Blasts und eine geschlossen wirkende Mannschaft auf der Bühne sind eine gute Visitenkarte für künftige Taten.

Damnation Defaced 



Wer an gleicher Stelle letztes Jahr bei Pro-Pain war, kennt noch die Belgier RESISTANCE. Und heute passen sie musikalisch auch besser ins Billing. An Ausstrahlung haben sie ebenfalls zugelegt und so sorgt ihr verdammt fieser "mehr Death/weniger Core"-Mix für ordentlich Aktivität in den ersten beiden Reihen. Warum es sich dahinter im Laufe des Sets lichtet? Vielleicht weil Fronter Xerus wirklich wie ein tollwütiger Keiler klingt. Oder vielleicht doch, weil ihr Sound nicht so ganz innovativ ist. Aber ein amtlicher Schlag in die Fresse muss nicht innovativ sein - er muss weh tun! Mission erfüllt.

Resistance 



MISERY INDEX haben ein ganz anderes Problem. Der Soundcheck zieht sich ein wenig, dann fallen immer mal die Monitorboxen aus und überhaupt hat der Soundmann bei den Amis irgendwas in den Ohren. Dabei sollte gerade heute OHNE getriggerte Drums (und Adam Jarvis KANN es!) ein guter Sound möglich sein. Nix is! Kaum wird auf's Gas getreten (also oft), ist Sense mit Hörgenuss. Dabei hätte der Abend ein echter Triumphzug werden können. Argument 1: Die unten stehende Setlist - wer kann bei dieser perfekten Schnittmenge aus Death Metal, Grind- und Hardcore noch still stehen?! Argument 2: Fronter Mark Klöppel (neuerdings mit Golfrasen-kurzen Haaren) hat ein Händchen für Kommunikation mit dem Publikum - nix mit pseudo-böse und grimmiger Arroganz. Und Argument 3: Die Perfektion, mit der diese Band trotz technischer Widrigkeiten Schweizer Uhrwerk-mäßig durch ihr Set ballert und dabei trotzdem nicht auf pure Präzision fixiert ist. Tja, wenn so ein Abend nicht in Jubelstürmen endet, kann es fast nur am Sound liegen. Den recht tatenlosen Soundmann sah ich dann während "The great depression" auch noch verschwinden und erst zum Set-Ende wiederkommen. Noch Fragen? Beten wir einfach dafür, dass Misery Index alsbald wieder in der Nähe anzutreffen sind und dann abermals alles in Schutt und Asche legen.

Misery Index 



Misery Index - Setlist

Embracing extinction
Defector
The carrion call
Traitors
The spectator
Ruling class cancelled
Conquistadores
The seventh cavalry
Demand the impossible
Manufacturing greed
The Arbiter
Ghost of catalonia
You lose
The great depression
Heirs to thievery
We never come in peace
Theocracy



Text: Siegfried Wehkamp
Fotos: Marco Zimmer