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Morgoth, 21.05.2011

Bremen, Tower
Support: The Very End, Dawn Of Disease

Die Nachricht über die Morgoth-Reunion anlässlich des 20. Geburtstages ihres Albums "Cursed" wurde ja sehr wohlwollend in der Death Metal Gemeinde aufgenommen. Auch wenn mit Sänger Marc Grewe, Gitarrist Harry Busse und ex-Bassist/nun-Gitarrist Sebastian Swart nur drei Original-Mitglieder mit von der Partie sind, werden die zahlreichen Festivalauftritte in diesem Jahr mit Sicherheit dafür sorgen, den jüngeren Fans nahe zu legen, welche Klasse die einstige deutsche Death Metal Institution hatte. Umso cooler, dass die Band noch zwei Club-Gigs zum "Anwärmen" ansetzt. Einer davon im Bremer Tower.


 



Vor noch etwas spärlicher Kulisse eröffneten dann die Osnabrücker Death Metaller von DAWN OF DISEASE, die kürzlich ihr Debüt "Legends of brutality" via NoiseArt Records ins Volk bollerten. Auf jeden Fall präzise kamen jene Songs von der Bühne, begleitet von einer ganz soliden Mattenschwinger-Show. Mehr aber auch nicht. Die "reservierte Coolness" von Fronter Tomasz gehört wohl zum bandinternen Death Metal-Kodex, weswegen ich das erst mal nicht weiter bewerten wollte. Das Thema war dann aber sofort gegessen, als er sich durch den verhaltenen Beifall (norddeutsches Publikum ist ja bekannt für eine gewisse Zurückhaltung) zu einem "ihr klatscht auch nur mit dem halben Arsch!" hinreißen ließ. Kommentar überflüssig - die Band jetzt auch. SO nicht!

Dawn Of Disease 



Wie man es besser macht, zeigt im Anschluss Björn Gooßes, seines Zeichens Sänger der Essener Formation THE VERY END. Man sei stolz, für "mighty Morgoth" zu eröffnen und freue sich, dass das Bremer Publikum das Quintett als "Morgoth's Chill Out Lounge" annehme. Zugegeben, so ganz passte ihr modern angehauchter, schwedisch basierender, mit Thrash-Resten versetzter Sound samt knackigen Grooves nicht zum Headliner. Aber sie waren einfach sympathisch und bekamen für den "softesten" Song sogar den meisten Applaus. Erfahrung von über 15 Jahren macht sich eben bezahlt - Sänger Björn war bekanntlich auch bei Night In Gales tätig. Selbst seine Clean Vocals kamen richtig geil rüber. Fazit für mich: Einfach ein richtig cooler Auftritt, der den Opener schnell vergessen machte.

The Very End 



Doch nun war die Zeit für klassischen Death Metal gekommen, für den sich der Tower dann auch endlich richtig füllte. Gleich mit den ersten Takten von "Body count" (trotz kurzzeitig ausfallenden Bass) merkt man, dass MORGOTH anno 2011 auch noch weitestgehend in der Lage sind, den einstigen Spirit ihrer Death Metal Geschosse weiter zu tragen. Hauptakteure in diesem Spiel sind dabei eindeutig Sänger Marc Grewe, der immer noch eine coole Bühnenpräsenz vorweist, und Drummer Marc Reign (ex-Destruction), der ohrenscheinlich ohne Trigger lebendig und nah an den Original-Songs bleibt, trotzdem aber keine bloßen Kopien abliefert. Man muss aber auch erwähnen, dass die Gitarristen Swart und Busse wohl länger nicht mehr auf einer Bühne standen und sich meines Erachtens mehr auf ihr Spiel konzentrierten. Ein paar Die Hard-Fans bemängelten sogar das Fehlen von ein oder zwei Soli in "Pits of utumno" und "White gallery". Dankbar über den Bremer Zuspruch (ab "Isolated" wüten auch die ersten Pits) zeigt sich die Band trotzdem, und liefert die Highlights ihrer beiden EPs "Resurrection absurd" bzw. "The eternal fall" und natürlich des Klassiker-Albums "Cursed" ab. Leider ohne den Übersong "Opportunity is gone" … sowas. Zwei "Odium"-Songs als Zugabe stimmen mich jedenfalls doch noch versöhnlich.
Nun bleibt abzuwarten, wie Morgoth nach der Festivalsaison weiter verfahren wollen. Trotz unbestrittener Klasse der genannten Alben, hatte dieser Abend einen leicht angestaubten Nostalgiefaktor, der zumindest bei mir die erwartete Jubel-Euphorie ausbremste. Habe ich vielleicht zu viel erwartet? Nächster Halt: Rock Hard Festival! Es wird sich zeigen.

Morgoth 



Setlist - Morgoth

Body count
Exit to temptation
Unreal imagination
Isolated
Sold baptism
Suffer life
Selected killings
Burnt identity
Pits of utumno
Lies of distrust
The travel
White gallery

Under the surface
Resistance



Text & Fotos: Siegfried Wehkamp