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Opeth, 03.12.2011

Hamburg, Große Freiheit 36
Support: Pain Of Salvation


Zum ersten Mal in der Großen Freiheit, zum ersten Mal Pain Of Salvation live sehen, zum ersten Mal Opeth vollwertig erfahren – ein Abend voller persönlicher Premieren. Manche Konzertabende versprechen einfach weit im Vorfeld schon, etwas Besonderes zu werden.


 



Wenn sich ein Frontmann darüber amüsiert, dass sich in dem unnötigen Fotograben vor ihm nur zwei "Press People" tummeln, sollte er mal auf die Uhr schauen. Dann statt der überall angekündigten 19 Uhr Beginn stehen PAIN OF SALVATION schon eine halbe Stunde vorher auf der Bühne und bleiben auch nur genau diese halbe Stunde. Eine um 23 Uhr stattfindende Studentenparty ist Grund dafür, dass viele Besucher die Schweden um Frontsympathikus Daniel Gildenlöw verpassen. Trotz vollkommener Unwissenheit bzgl. der Band steht für mich sofort fest - Progressive Rock kann so viel Spaß machen. Die Band rockt an allen Ecken und Kanten und von mir erstmalig gehörte Songs wie "Ashes" und "1979" bleiben sofort hängen. Gildenlöw selbst ist mit dem jubelnden Publikum auf Smalltalk-Ebene. Ich mag solch unverkrampfte Typen, die auch noch großartige Musik schreiben und zu dem eine erstklassige Backing-Mannschaft dabei haben. Zum Abschluss darf bei "Linoleum" noch mal kräftig gerockt werden. Ein zu kurzer Auftakt, aber einer mit nachhaltiger Wirkung.

Pain Of Salvation 



Das aktuelle OPETH-Album "Heritage" kündigte ja schon an, dass bei Mikael Akerfeldt die Death Metal Vergangenheit ad acta gelegt wird. Dieser Weg wird am heutigen Abend konsequent fortgeführt. Das aber zumindest für zwei volle Stunden! Akerfeldt erschreckt mich zuerst etwas durch seine immer hagerer werdende Figur, überzeugt dagegen aber durch sein stilsicheres Rainbow-Shirt. Und Grunzen ist auch nicht mehr. Dafür kann man endlich auf die ruhigeren Stücke aus der Vergangenheit zurückgreifen. So wie z.B. "Credence" oder "Face Of Melinda". Sogar "The Throat Of Winter", welches man eigens für das Videospiel "God Of War" einspielte, kommt in diesem neuen Opeth-Umfeld zum Zuge und macht sich dort prächtig. Das aktuelle Album "Heritage" steht selbstverständlich im Vordergrund und liefert mit "Folklore" den perfekten Konzertabschluss. Dieses Ending sorgte schon auf Konserve für Gefühlsausbrüche, aber live ergeben sich da ganz neue Dimensionen. Dabei hat das gesamte Set eigentlich den berühmten Wohnzimmer-Charakter. Sehr intim. Mikael scherzt reihenweise mit dem Publikum. Alle blicken wie gespannt gen Bühne und lauschen andächtig den raumeinnehmenden Klängen. Auch der fast schon zu ruhige Mittelteil der Show mit Akustikgitarren-Einsatz wird begeistert aufgenommen. Und selbst das danach auflockernde, luftige "Slither" kommt immer noch völlig relaxt rüber. Dazu ein perfekter Sound und die stimmungsvolle, sowie effektive Lightshow. Ich für meinen Teil habe Opeth heute zum ersten Mal vollends erleben und genießen können. Vielleicht war ich auch Zeuge einer neuen musikalischen Ära der Band. Auf jeden Fall wurde heute auf wundersamste Weise wieder einmal mein Horizont erweitert. Ganz großes Kino!

Opeth 



Setlist - Opeth

The Devil's Orchard
I Feel The Dark
Face Of Melinda
Porcelain Heart
Nepenthe
The Throat Of Winter
Credence
Closure
Slither
A Fair Judgement
Hex Omega

Folklore



Text & Fotos: Siegfried Wehkamp