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Power Of Metal, 17.03.2011

Hamburg, Markthalle
Nevermore, Symphony X, Psychotic Waltz, Mercenary, Thaurorod


Gestern noch bei Overkill, heute die "Power Of Metal"-Tour. Und schon wieder in der fast gleichermaßen gut gefüllten Markthalle zu Hamburg. Da sage noch einer, mit Metal lässt sich kein Geld verdienen…
Das Billing kann sich aber auch sehen lassen und irgendetwas sagt mir, dass ein nicht unerheblicher Teil der Besucher auf das Konto der reformierten Prog-Legende Psychotic Waltz geht. Doch dazu später.


 



Die Finnen von THAUROROD rocken sich durch ihre halbe Stunde, während der mega-metal-Abgesandte zum Interview mit Nevermore gebeten wird. Nix gesehen, nur gequatscht. Daher gleich weiter zu MERCENARY und dem Fazit zuerst. Hatten die Dänen vor dem Abgang von Mikkel Sandager durch dessen glasklare, einzigartige Stimme noch die Chance, auch bei Traditionalisten zu landen, ist mit der neuen CD "Metamorphosis" damit wohl Essig. Die CD ist ja gut, live präsentiert sich das Quartett auch sehr souverän und René Pedersen ist auch kein schlechter Sänger. Doch mit dieser neuen Basis wären die Jungs wohl ab sofort besser in einem "moderneren" Billing aufgehoben. Beim finalen "Firesoul" (eigentlich DER Mercenary-Hit!) hatte dieses Dilemma leider seinen Höhepunkt. Manche sprachen sogar vom "Nightwish-Syndrom". Ihr versteht?!

Mercenary 



Ich beschönige hier nichts! Doch gemessen am frenetischen Jubel während der folgenden 45 Minuten waren PSYCHOTIC WALTZ der Headliner des heutigen Abends. Nach 14 Jahren kehrt die unvergleichliche Prog-Kombo auf die Bühne zurück - im Original Line Up mit Devon Graves, Dan Rock, Brian McAlpin (immer noch im Rollstuhl), Ward Evans und Norm Leggio. Und sie legen mit "Ashes"/"Spiral tower" furios los. Hier ist wirklich Magie im Spiel. Und die geht nicht nur von der charismatischen Performance von Devon Graves aus (irre gut bei Stimme, herzlich zum Publikum). Sowohl die Rhythmus-Abteilung, als auch die sagenhaften Doppel-Leads sind so ultratight, da passt kein Blatt Papier mehr zwischen. Zugegeben, für das ungeübte Ohr mögen sie Songs zum Teil anfänglich verwirrend sein, entziehen kann man sich solcher Prog-Glanztaten wie "Morbid", "Into the everflow", "Halo of thorns" oder "I of the storm" trotzdem nicht. Als Devon auch noch über neues Material spricht und man definitiv mit einer vollwertigen Headlinershow zurückkommen möchte, kennt der Jubel gar keine Grenzen mehr. In allen Belangen sehr beeindruckend!

Psychotic Waltz 



Wieso unterschätze ich SYMPHONY X und ihren Stellenwert in der Szene jedes Mal wieder? Ich sollte mich mehr mit der Band befassen. "Serpent's kiss", "Unleash the fire", "Smoke & Mirrors" - das ist richtig knackiger Power Progressive Metal, der seinen guten Ruf zurecht verdient hat. Mit "The end of innocence" gibt es sogar noch ein schickes neues Stück zu begutachten - das Album "Iconoclast" soll schon unterwegs sein. Und im Gegensatz zu Destruction's Schmier am gestrigen Abend hat Sänger Russel Allen vernünftige und der Situation angemessene Worte für die Japan-Katastrophe parat und widmet den Opfern den Song "Paradise lost" - beides bekommt den höchsten Applaus im Symphony X-Set. Also nochmal, ich muss mich mehr mit der Band befassen. Nächstes Mal möchte ich auch einer der vielen Anhänger sein, die vor der Bühne abfeiern!

Symphony X 



Zum Abschluss ist es an NEVERMORE, den Sack zu zu machen. Und sie machen! Die Erfahrung, der Hit-Fundus, die neue Scheibe - so geht heute in Hamburg nichts schief. Bassist Jim Sheppard erholt sich daheim (er ließ sich einen gutartigen Hirntumor entfernen) und wird durch den Männerblickfang Dagna vertreten. Das findet auch der vom letztjährigen Rock Hard Festival bekannte zweite Gitarrist Attila toll. Die beiden posen nicht nur einmal um die Wette, während Van Williams hoch oben thronend seine vielseitigen Beats klopft und Jeff Loomis sich wie immer die Finger wund soliert. Über die Stimme von Warrel Dane habe ich auch schon so viel gesagt. Der Mann ist einfach gesegnet, was man heute besonders bei "The river dragon has come" und "This godless endeavor" spürt. Auf Nevermore kann man sich eben verlassen und bekommt den aktuellen Titeltrack "The obsidian conspiracy" noch als Zugabe obendrein. Mehr "Power Of Metal" geht heute einfach nicht mehr.


Nevermore 



Text & Fotos: Siegfried Wehkamp