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Paganfest, 26.03.2012

Hamburg, Markthalle


Die diesjährige Ausgabe des Paganfest ist mit Irland, Rumänien, Island, den Niederlanden und der Schweiz nicht nur erfreulich international ausgefallen, sondern auch erstaunlich "erwachsen". Dementsprechend scheint auch das Publikum wesentlich reifer zu wirken, denn auf Bands wie Korpiklaani und Equilibrium, die bei einigen "Extended Shows" als Special Guests mit an Bord sind, muss man heute in Hamburg verzichten. Schlimm? Ganz und gar nicht...



 

Der Abend startet erst mal ziemlich Pagan-untypisch - nämlich mit "Rockmusik extraordinaire" von SÓLSTAFIR. Die Isländer streifen das anzusprechende Klientel eigentlich nur marginal, spielen sich aber mit den Songs ihres aktuellen Doppeldeckers "Svartir Sandar" (plus einen Song vom Zweitwerk "Masterpieces Of Bitterness" als Rausschmeißer) in einen wahren Rausch und bekommen dafür durchaus vernünftigen Applaus. Direkte Vergleiche wie "das klingt wie …" funktionieren einfach nicht. Sólstafir schaffen es schlichtweg, in ihren 40 Minuten eine ganz eigene Atmosphäre zu erzeugen, die nicht Wenige von einem Opener nicht erwartet hätten.

Sólstafir 



Die Niederländer HEIDEVOLK sehe ich heute zum ersten Mal und bin durchaus angenehm überrascht. Auf CD kaum mehr als "ganz nett", aber live macht die Truppe durchaus was her. Dieser zweistimmige klare Gesang steht dem Folk Metal des Sechsers wirklich gut. Das macht Laune und auch beim Publikum kommt nach dem starken, aber auch eher ruhigen Auftritt von Sólstafir, nun vermehrt Stimmung auf. Die durchgehend niederländische Sprache in den Songs wirkt zwar manchmal etwas sperrig und schwer zugänglich (zumindest für mich), aber trotzdem passt sie glaubwürdig zur Musik, deren Schwerpunkt heute natürlich auf dem aktuellen Werk "Batavi" liegt.

Heidevolk 



Eine Panflöte, ein Horn, ein Percussion-Brett, auf dem rumgeklopft wird - man könnte auch fragen, ob NEGURA BUNGET einfach irre sind, ihren völlig unvergleichlichen Black Metal (?) mit allem anzureichern, was möglich ist. Nach diesem Auftritt habe ich mich festgelegt. Die Rumänen sind sprichwörtlich eine eigene Liga. Man muss den Musikern nur mal auf die Finger schauen, um zu erkennen, mit welcher Hingabe und vor allem Können sie ihre Songs zelebrieren. Eigenständigkeit hoch zehn, Atmosphäre aus einer anderen Welt und zum Abschluss das unsagbar schöne "Dacia Hiperboreana". Nun, ich habe Negura Bunget zwar heute zum ersten Mal gesehen, das Gefühl dabei ist aber so nachhaltig, da werde ich musikalisch wohl zukünftig umdenken müssen. Ein einzigartiges Klangerlebnis!

Negura Bunget 



PRIMORDIAL habe ich dagegen einige Male öfter gesehen und denke noch zurück an das Rock Hard Festival 2011, wo ich zum ersten Mal so etwas wie Kritik äußern musste. Und auch heute geht es nicht ohne - da bin ich mal genauso engstirnig wie Sänger Alan A. Nemtheanga. "Lain With The Wolf" dürfte wohl der sperrigste Einstieg sein, den ich mir vorstellen kann. Und ohne "Gods To The Godless" die Bühne zu verlassen, fasse ich überhaupt nicht. "The Mouth Of Judas" live zu präsentieren empfinde ich dagegen mehr als geglückt. Und mit "The Coffin Ships", "Empire Falls", "Bloodied Yet Unbowed", "No Grave Deep Enough", zusammen mit einer abermals starken Live-Performance, geht der Co-Headliner-Gig vor einem enthusiastischen Publikum auf jeden Fall in Ordnung. Ich liebe euch ja wirklich, ihr irischen Naturgewalten. Aber ihr müsst endlich wieder eine eigene Headliner Tour bringen.

Primordial 



Die Umbaupause vor ELUVEITIE dauert heute mit Abstand am längsten, denn der Headliner fährt natürlich entsprechendes Geschütz in Sachen Instrumente auf (Drehleier, Flöten usw., usw.). Hat man bei den vorangegangenen Bands auch mal kleinere Lücken im vorderen Bereich der Markthalle gesehen (die heute maximal zu dreiviertel ausverkauft sein dürfte), so herrscht jetzt schon dichtes Gedränge vor der Bühne. Tosender Applaus, als die Schweizer die Bühne betreten und genau wie auf dem aktuellen Album "Helvetios" mit dem dort eröffnenden Doppelpack bestehend aus dem Titelsong sowie dem folgenden "Luxtros" starten. Ausnahmezustand in der Markthalle - spätestens jetzt wird klar, dass die meisten Leute wirklich hauptsächlich wegen Eluveitie hier sind. Und die Schweizer machen in den gut 70 Minuten auch alles richtig. Da fehlen solche Hits wie "Inis Mona" oder "Thousandfold" natürlich nicht und erfreulicherweise findet mit "Tegernako" sogar ein Song vom eher unbekannteren Debütalbum "Spirit" (2006) den Weg ins Set der sympathischen Truppe. Der musikalische Schwerpunkt liegt heute natürlich auf "Helvetios" - dem aktuellen Output. "A Rose For Epona", "Meet The Enemy", "Alesia" oder "Scorched Earth" - um nur einige zu nennen - sorgen für allerbeste Stimmung. Auf der Bühne sorgt neben Fronter Christian 'Chrigel' Glanzmann vor allem Co-Sängerin und Drehleierspielerin Anna Murphy für einen entsprechenden Blickfang. Ein Auftritt, der keinerlei Wünsche übrig lässt und eine starke und sympathische Truppe zeigt, die nicht umsonst zur Speerspitze des Folk Metal zählt.

Eluveitie 



Setlist - Eluveitie

Helvetios
Luxtros
Uxellodunon
Nil
Kingdowm Come Undone
Inis Mona
A Rose For Epona
Meet The Enemy
(Do)Minion
Alesia
Thousandfold
Tegernako
Scorched Earth
Calling The Rain
Havoc



Text (Sólstafir, Negura Bunget, Primordial): Siegfried Wehkamp
Text (Heidevolk, Eluveitie) und Fotos: Marco Zimmer