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Apocalyptica, 09.12.2007



Groningen/Niederlande - Oosterpoort
Support: Lacrimas Profundere

Und wieder ist es soweit: Der Blick über die Grenze nach Holland ist einmal mehr lohnenswert, denn das heutige Package - die finnischen Cello-Virtuosen Apocalyptica zusammen mit den deutschen Goth-Rockern Lacrimas Profundere - gibt es so in dieser Form nicht in heimischen Gefilden zu sehen. Also auf ins Nachbarland...

Den heutigen Abend eröffnet also "Deutschland finnischste Band" - Lacrimas Profundere. Das bayrische Quintett, das zuletzt einige Besetzungswechsel hinnehmen musste, wirkt stärker als je zuvor, was nicht zuletzt am gerade mal 21-jährigen Ausnahmesänger Roberto Vitacca liegt, auf den nicht nur Produzent John Fryer (u.a. Cradle of Filth, Paradise Lost) verdammt große Stücke hält. Roberto's Stimme kommt gleich beim Opener "My velvet little darkness" so kraftvoll-melancholisch daher, daß es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. In dem rund 40-minütigen Auftritt bedient man sich zu Recht fast ausschließlich an Material der beiden letzten Alben. Hit-Single "Again it's over" oder auch das 'Gothic-Girlie'-Dreierpaket "Sweet Caroline", "Amber girl" und "Sarah Lou" sorgt dann nach anfänglich noch eher verhaltener Stimmung doch noch für die nötige - und vor allem auch völlig verdiente - Portion Unterstützung. Chef-Denker und Gitarrist Oliver Nikolas Schmid macht heute in Sachen Stage-Acting und Posing niemand etwas vor. Die Band bezieht die bereits aufgebauten, aber noch abgedeckten Apocalyptica-Stühle wie selbstverständlich ins Set mit ein, und liefert dann mit "Ave end" einen gelungenen Abschluß eines tollen Auftritts. Gothic-Herz, was willst du mehr?

Doch nun zu Apocalyptica. Irgendwie war ich mir im Vorfeld dieses Gigs nicht im Klaren, was für ein Happening die folgenden 90 Minuten werden sollten. Schließlich sah ich sie zuletzt vor über sechs Jahren auf ihrer "Cult"-Tour - also zu einem Zeitpunkt, als die Herren gerade anfingen, sich von ihrem "Cover-Band"-Image zu lösen. Drei Alben, zahlreiche Gastsänger/innen und ein fester Drummer später werde ich am heutigen Abend Zeuge von etwas Außergewöhnlichem. Denn Apocalyptica haben in ihrem bisherigen Schaffen einige bärenstarke Eigengewächse komponiert, die sich auch live echt gewaschen haben und so manches Cover fast in den Schatten stellen. Und über die spielerische Klasse überhaupt noch Worte zu verlieren, wäre reine Zeitverschwendung. Das, was das Quartett an den Cellos fabriziert, zieht den über 1.500 Anwesenden die Kauleisten reihenweise gen Fußboden. On top macht Drummer Mikko Sirén den Gesamtsound noch explosiver, indem er z.B. "Prologue" völlig in Grund und Boden thrasht und die ohnehin irre Version von Grieg's "Hall of the mountain king" zu einen multiplen "Ohrgasmus" zimmert. Doch selbst bei allen musikalischen Kabinettstückchen haben die Finnen nicht vergessen, daß der Humor nicht zu kurz kommen darf. Ur-Mitglied und vierter Live-Cellist Antero Manninen (mit Sonnenbrille und emotionslos präzise wie ein Roboter) wird kurzerhand zur Göttin erklärt, da er ja bei "S.O.S." die Gesangslinie der Göttin Cristina Scabbia spielt. Und die "spring wie Paavo"-Aufforderung von Chef Eicca Toppinen vor "Enter Sandman" endet eher kläglich, was der Blondschopf damit kommentiert, daß es in den Niederlanden halt nicht so gute Skispringer gibt. Macht nix. Aber Lärm können sie machen. Der Ooosterpoort steht nach jeden Song Kopf, der Jubel tut mitunter mehr in den Ohren weh, als der gut differenzierte Sound. Da lassen sich Apocalyptica auch nicht bitten und kommen nach dem ersten Zugabenblock noch einmal auf die Bühne um als besonderen Bonus für heute Abend die instrumentale Variante des Rammstein-Klassikers "Seemann" zu intonieren. Schöner kann man fast gar nicht auf den Weg nach Hause geschickt werden. Es hätte eigentlich noch ewig so weiter gehen können. Something really special!






Text Lacrimas Profundere & Fotos: Marco Zimmer
Text Apocalyptica: Siegfried Wehkamp