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Subway to Sally, 28.04.2007

Wilhelmshaven - Pumpwerk

Nach dem grossen Erfolg der "Nackt"-Akustik-Tour im vergangenen Jahr und der nachgeschobenen Live-CD/-DVD war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der zweite Teil der Tour starten wird, obwohl die Band damals betont hatte, dass die "Nackt"-Tour eine einmalige Sache bleiben würde.

Dabei ist es dann allerdings nicht geblieben und im Wilhelmshavener Pumpwerk steht dann heute bereits schon wieder der vorletzte Termin eben dieser Tour auf dem Programm.

Das Pumpwerk füllt sich langsam, aber stetig und ist dann schlussendlich mit rund 800 Leuten auch komplett ausverkauft. Beste Voraussetzung also für ein gutes Konzert. Die bei Subway-Gigs üblichen "Julia und die Räuber"-Gesänge vor, während und nach dem Konzert sorgen auch heute wieder einmal im Vorfeld für den ersten Stimmungsschub.
Mit knapp 15 Minuten Verspätung und gänzlich ohne Vorband, geht's dann nach dem Intro mit "Böses Erwachen" auch endlich los.
Die Stimmung ist von Beginn an gut, aber: Es ist halt ein Akustikkonzert, und (nicht nur) Subway to Sally gehören nunmal zu der Sorte von Bands, die live unheimlich von der Stimmung leben, und diese erhält durch das reine Akustik-Set natürlich einen kleinen Dämpfer.
Die Menge braucht auch ein bisschen Zeit, um aufzutauen, aber spätestens beim Doppelpack "Der Hofnarr" und "Sieben" ist die Stimmung da angekommen, wo sie hingehört! Ganz weit oben!
Man kann von Glück sagen, dass das heutige Konzert nicht bestuhlt ist, und so wird gehüpft, geschunkelt und gesprungen, was das Zeug hält.
Entsprechend der sehr unterschiedlichen Songs variiert auch die Stimmung, doch Subway-Frontmann Eric Fish scheint höchst erfreut zu sein: "Das ist der Wahnsinn! Es freut mich, dass das hier so abgeht!"
Und direkt nach diesem Kompliment geht's dann auch weiter mit "Kleid aus Rosen", einem meiner persönlichen Lieblingssongs der Band, und ich ertappe mich in diesem Augenblick dabei, wie ich gerade eine Gänsehaut bekomme - wenn da mal keine Gefühle transportiert werden. Fantastisch!
Die Stimmung hat wieder einmal einen ihrer Siedepunkte erreicht, und spätestens beim folgenden "Die Hexe" singt so ziemlich jeder mit.
Dennoch gab es auch Phasen, wo man die Befürchtung haben musste, dass da gleich im Publikum die ersten Leuten einschlafen könnte. Zum Glück dauerten die ruhig-melancholischen Blöcke im Set nicht allzu lange an, und man wurde durch Songs wie z.B. "Sag dem Teufel" oder auch die kleinen Blödeleien von Michael Simon schnell wieder aus der "Ruhephase" gerissen.

Nach dem Ende des offiziellen Teils (Eric Fish: "Besser als heute geht's ja gar nicht mehr!"), lässt die Band natürlich für Zugabe Nr. 1 nicht lange auf sich warten. "Schlaflied", "Ohne Liebe", und dann wird erstmal die Band vorgestellt - als ob das noch nötig wäre!
Nach einer weiteren kurzen Unterbrechung folgt Zugabe Nr. 2: Eric Fish kommt alleine und nur mit einem Dudelsack "bewaffnet" auf die Bühne, kurz darauf folgt die Band und dann heisst es: "Julia und die Räuber!" Die Masse tobt - aber: Ich kann's bald echt nicht mehr hören.
Wer nun dachte, das danach endültig Schluss wäre, hat sich getäuscht, denn als wirklich letzte und dritte Zugabe folgt erst "ein Lied aus der Kategorie: 'Wir können auch anders'!" (O-Ton Eric Fish), nämlich "Feuerkind" und abschliessend das "Seemannslied".

Was für ein Konzert! Mehr als 2 Stunden und 10 Minuten erstklassige Musiker in einem tollen Ambiente! Der abschliessende Satz der Band lautete: "Wir sehen uns in Wacken!" Das hätte man gar nicht extra erwähnen brauchen, denn das ist sowieso klar!

Ich möchte aber dennoch auch den einen oder anderen kritischen Punkt ansprechen: Dieses Akustik-Konzert war zwar auch für mich ein fantastisches und in dieser Form auch neues Erlebnis (obwohl ich bereits 10 Subway to Sally-Konzerte gesehen habe), aber ich ziehe die "normalen" Rock-Konzerte dennoch ganz klar vor. Die Stimmung ist dort einfach besser, und ich habe heute doch so ein kleines bisschen die E-Gitarren vermisst.

Was die Setlist angeht: Es wurden ein paar schöne und alte Perlen gespielt, und es heisst ja auf den Konzertplakaten schliesslich auch: "Eine Reise durch 10 Jahre Bandgeschichte", aber gerade die jüngeren Fans - und das waren heute nicht gerade wenige - dürften in Anbetracht der Tatsache, dass immerhin 16 Titel aus den Jahren 1996-99 stammten und z.B. das Album "Engelskrieger" (2003) komplett ignoriert wurde, so ihre "Problemchen" gehabt haben. "Veitstanz", "Die Schlacht", "Henkersbraut"? Fehlanzeige. Viele "Hits" mussten leider weichen.

Abschliessend noch eine ungewöhnliche, aber sehr angenehme und höchst positive Auffälligkeit: Im Pumpwerk ist das Rauchen verboten und es wurde auf Wunsch kostenloser (!!) Gehörschutz ("Ohrstöpsel") verteilt. Vorbildlich!



Setlist - Subway to Sally

Böses Erwachen
Das Rätsel
Minne
Die Rose im Wasser
Horo
Der Hofnarr
Sieben
Element des Verbrechens
Kruzifix
Alle, psallite cum luya
Mephisto
Das Rätsel II
Kleid aus Rosen
Die Hexe
Unterm Galgen
Traum vom Tod
Sanctus
Maria
Liebeszauber
Die Arche
Sag dem Teufel
Die Braut und der Bräutigam
Carrickfergus

Schlaflied
Ohne Liebe

Julia und die Räuber

Feuerkind
Seemannslied



Text & Fotos: Marco Zimmer