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Down, 10.07.2008

Hamburg - Markthalle


Down in Deutschland - DAS ist etwas ganz Besonderes! Und dieses Mal (nach 2006) lasse ich mir die Gelegenheit nicht durch die Lappen gehen. Und einen großen Dank an Roadrunner Records, die noch einen Fotopass spendierten, welcher im Verlauf des Abends der Joker sein sollte.

Aber der Reihe nach. An der Abendkasse gibt es offensichtlich noch Tickets. Das verwundert doch etwas, schmälert aber nicht den Eindruck, daß die Markthalle sich beim Betreten ausverkauft anfühlt. Das Publikum ist bunt gemischt und befindet sich grob geschätzt in den Mittzwanzigern mit mehr Ausschlägen nach oben als nach unten. Das ist auch nur zu gut nachvollziehbar, da Down ja nun auch schon seit ca. 15 Jahren existieren und die (teils ehemaligen) Hauptbands der Bandmitglieder in den letzten Jahrzehnten deutliche Spuren im Metal-Business hinterlassen haben (Pantera, Crowbar, Corrosion of Conformity, EyeHateGod). Und obwohl die "Supergroup" nicht gerade die Megaseller sind, zählen sie unter ihren Fans in punkto Spirit und Loyalität zu den ganz Großen. Und da man den Fans auch was Spezielles bieten möchte, gibt es keine Vorband, sondern einen Stundenfilm mit Videoclips (mehr) und Auszüge aus dem Down-Leben (weniger). So freut sich das Publikum über allesamt 70er Live-Clips mit den Original-Line Ups von u.a. Kiss, Black Sabbath, Deep Purple oder Thin Lizzy. Auf der Spaßseite sind dann eher kurzweilige Eindrücke zu verbuchen, wie z.B. Karaoke mit Kirk Windstein in London, Kirk und Pepper jammen im Bus oder dem missratenen "Hinweis", daß man lieber doch keine Gegenstände aus Hotelzimmern in Flüsse werfen sollte...

Um 22.15 Uhr ist es dann endlich so weit. Der Countdown wird auf der Leinwand angezeigt und ich hechte schnell in den Fotograben, der klaustrophobische Ausmaße hat. Wird schon gehen. Die Leinwand fällt, die Band stürmt durch den Nebel auf die Bühne und hinter mir tobt die Markthalle. Musikalisch bekomme ich erst mal kaum was mit und halte nur drauf. Gar nicht so einfach, weil der Fünfer ganz schön Hummeln im Hintern hat. Allen voran Phil Anselmo mit Dauerkontakt zum Publikum. Er war es dann auch, der mir aus Versehen in den Rücken tritt, als ich mich umdrehe um die völlig austickende erste Reihe zu knipsen. Doch man stört einen Herrn Anselmo nicht. Also wieder umdrehen und ... von oben angetickt werden?! Ein Blick, eine eindeutige Handbewegung, ein Fragezeichen in meinem Kopf. Der meint es wirklich ernst. Alles geschah binnen Sekunden. Und so findet sich meine Wenigkeit mit einem weiteren anwesenden Fotografen auf Wunsch von Phil kurzerhand AUF der Bühne wieder, um eine völlig ausklinkende Markthalle abzulichten - während des Songs!



Danach heißt es nur noch schnell runter von der Bühne, raus aus dem Graben und endlich einen göttlichen Gig genießen. Ich steige ein mit "Lifer", und bin echt beeindruckt, wie die Meute vor der Bühne den Refrain kraftvoll mitsingt. Ich habe viel erwartet, aber das übersteigt alles. Egal welcher Song, die Fans stehen wie ein Mann hinter ihrer Band. Und die besteht aus fünf charakterstarken Männern ohne Starallüren, die zusammen die perfekte Einheit sind. In diesem Moment erinnere ich mich an die Live-Clips aus dem Film und entdecke diesbezüglich einige Parallelen. Klar, Phil Anselmo ist quasi der Leitwolf, immer in Bewegung und viel Spaß an der Sache und mit dem Publikum. Pepper Keenan an der ersten Gitarre mimt wohl den Sunnyboy der Band. Kirk Windstein an der zweiten Sechssaitigen sieht mit seinem Rauschebart fast schon wie der Bandopa aus. Genial, wenn die beiden zusammen bei "Beneath the tides" die zweite und dritte (!) Gesangsstimme zu Phil bringen. Rex Brown am Bass ist der einzige Unscheinbare auf der Bühne. Aber Lässigkeit gehört genauso in die Band, wie ein wenig Verrücktheit mit Jimmy Bower an den Drums. Alles passt zusammen, alles ist selbstverständlich. So stoppt Phil "Eyes of the south" nach den ersten Takten und bittet seine Mitstreiter, nacheinander in den Song einzusteigen um mehr Atmosphäre zu kreieren. Selbstredend, daß sich der Song jetzt erst recht zu einem Killer entwickelt. Im Zugabenteil dürfen alle bei einem wunderschönen "Jail" nochmal durchatmen um sämtliche Kraft- und Stimmreserven beim Überhit "Stone the crow" zu mobilisieren. Das abschließende Groovemonster "Bury me in smoke" versetzt nicht nur mich in rauschartige Zustände. Was für ein Abend.
Kurz vor Mitternacht ist der ganze Spuk dann viel zu früh vorbei - und das obwohl Down die reine Spielzeit von 90 Minuten definitiv überschritten haben. Die Antwort auf die anfangs gestellte Frage von Phil "wer von den Anwesenden denn wiederkommen würde, wenn Down das nächste Mal in Hamburg sind?", klingelt mir immer noch in den Ohren. Worauf ihre eure verdammten Südstaaten*rsche verwetten könnt. DOWN forever!





Setlist

Pillars of eternity
The path
Lysergik funeral procession
Lifer
Hail the leaf
Three suns and one star
Ghosts along the mississippi
Learn from his mistake
N.O.D.
Beneath the tides
Losing all
Eyes of the south

(Doob interlude)

In the thrall of it all
Jail
Stone the crow
Bury me in smoke



Text & Fotos: Siegfried Wehkamp