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 | Dragonforce, 03./04.10.2008 |
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London - Astoria Support: Turisas
Freitag, 03.10.
Wenn das nicht mal das Konzerthighlight des Jahres ist. Nicht nur für mich privat, sondern auch in seiner Funktion als erster mega-metal-Bericht aus "Übersee". Die Multikulti-Metaller von Dragonforce starten ihre "Ultra beatdown"-Welttournee im eigenen Land und sind ausgerechnet am Tag der deutschen Einheit in ihrer Heimatstadt zu Gast. Eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen kann. Also Karten kaufen, Flug und Hotel buchen, die Liebste an die Hand nehmen und auf geht's nach London! Als dann auch noch bekannt wird, daß der Gig am 03.10. ausverkauft ist und die Band am 04.10. eine Zusatzshow ansetzt, ist der Wahnsinn komplett. Tja, wenn man schon mal da ist ... kaum im Hotel eingecheckt, erst mal den Weg zum altehrwürdigen Astoria finden und dort sofort zwei Karten für die zweite Show kaufen. Danach ist erstmal London erkunden angesagt.
Zeitsprung - 18.45 Uhr. Der erste Schock - die Schlange vor dem Astoria ist weit über hundert Meter lang und der Einlass soll um 19 Uhr sein. Doch offensichtlich läuft der bereits und wir sind innerhalb von nur 15 Minuten durch alle Kontrollen durch. Bei den Briten geht das echt rasend schnell. Disziplin wird hier groß geschrieben. Und auch die Tatsache, daß die Abende hier nicht so lang sind. Denn kaum haben wir uns einen angenehmen Platz in der 1.600 Menschen zählenden Menge ergattert, stehen auch schon Turisas auf der Bühne. Man bemerke - es ist gerade 19.15 Uhr! Der Einstieg mit "Battle metal" ist erst mal lustig, weil das Drumkit ausfällt und der Song inklusive erster Strophe ohne Schlagwerk auskommen muß. Klingt erstaunlich interessant. Dann rumpelt es aber richtig und ich vernehme einen wirklich glasklaren Sound. Saubere Sache, auch wenn die Gitarre durch die Violinen- und Akkordeon-Übermacht etwas leidet. Das verdirbt aber niemandem den Spaß. Die Menge vor der Bühne feiert die Band was das Zeug hält. Ja, Turisas sind hier eine Nummer, waren sie schließlich bereits auf kleiner Headliner-Tour in England unterwegs. Und die ist alles andere als schlecht verlaufen.
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Nach gerade mal 30 Minuten Umbaupause (!) stellt sich um 20.30 Uhr die Frage, wie sich der Hauptact im eigenen Land schlägt. Daß Dragonforce hier ganz anders empfangen werden als beispielsweise in Deutschland war klar. Das neue Album "Ultra beatdown" ist in den offiziellen englischen Charts auf Platz 18 eingestiegen! Der Jubel kennt keine Grenzen als das Sextett mit "Heroes of our time" die headlinerwürdige Bühne stürmt. Podeste vorne, drei Rampen zum hinteren Teil der Bühne, die hinter dem Drumkit und den Keyboards durch eine Überwegung verbunden sind und zu guter Letzt eine große Leinwand, die sämtliche Bewegungen auf der Bühne einfängt, da im Fotograben und am Schlagzeug ein Haufen Kameras aktiv sind. Das riecht fast nach DVD-Aufzeichnung. So verwundert es auch nicht, daß Dragonforce für ihre Verhältnisse fast schon verhalten auf der Bühne agieren. Muß heute besonders sauber gespielt werden? Oder doch die Rückgewöhnung an das Bühnenleben, da es ja gerade mal die siebte Show ist? Was soll's. Es soll Spaß machen und das tut es auch.
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Die Songs zaubern meiner Freundin und mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht und unser Staunen ist umso größer, weil das lauthals mitsingende Publikum (vor der Bühne und auf den oberen Rängen!) sich in punkto Durchschlagskraft mit hierzulande bekannten Blind Guardian-Ausmaßen messen kann. Uns sitzt bloß noch der Flug und der erste Eindruck dieser beeindruckenden Stadt in den Knochen, so daß dieses erste Erlebnis im Astoria sich im minimalen Grenzbereich zwischen den Noten 2 und 3 einpendelt. Eine Tatsache, die sich am Folgeabend ändern soll. Ein letztes Kopfschütteln: Die Show ist nach 2 Stunden pünktlich zu Ende und Gerüchten zufolge soll morgen noch Mal eine halbe Stunde früher Schluß sein. Weil dann Samstag ist - okay...
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Samstag, 04.10.
Wow, wenn man sich erstmal an eine Stadt wie London mit seinen 9 Millionen Einwohnern gewöhnt hat, geht alles viel leichter von der Hand. Sightseeing ist hier so einfach, weil man fast alles zu Fuß erreichen kann. Die Wachablösung beim Buckingham Palace wird zum vorläufigen Comedy-Höhepunkt, und in einem 3-stöckigem Gebäude voller Videogames und Fun-Attraktionen ist ein Ego-Shooter fast schon ein beruhigender Gegenpol zum ameisenhaften Treiben auf den Strassen. So losgelöst von allem steigt natürlich die Vorfreude auf die zweite Dragonforce-Experience am Abend. Mit dem Wissen von gestern stehen wir wieder um viertel vor sieben vor dem Astoria und vermissen erst mal die Menschenmenge... aha, Einlass war wohl früher. Dafür haben wir aber innerhalb von fünf Minuten das erste Bier in der Hand, weil alles so reibungslos läuft. Das lässt sich dann auch vorzüglich geniessen, als Turisas heute pünktlich um 19 Uhr die Bretter betreten. Sofort fällt auf, daß die Band viel gelöster und aktiver auf der Bühne agiert als gestern. Der Auftritt in seiner Gesamtheit ist der Selbe - macht aber nix. Denn auch heute amüsiert sich das wild feiernde Publikum vor der Bühne köstlich über die Anfeindungen von Front-Berserker Mathias Nygard mit dem "Bier", welches der Band aufgetischt wurde (aus Jugendschutzgründen verzichte ich hier auf den Originalton) - wo man doch eigentlich im Lande feiner Biere und Ales ist. "Rasputin" zettelt noch mal einen kräftigen aber unaggressiven Pit an und mit "To Holmgard and beyond" wird die 45-Minuten-Schlacht standesgemäß mit Getöse beendet. Ja, heute fühlen wir uns richtig aufgewärmt für den Headliner.
Bewaffnet mit einem zweiten Gerstensaft beziehen wir mittig Stellung auf den Rängen mit direktem Blick auf die Bühne. Jetzt erkennt man erst das imposante Ausmaß. Wie bei Turisas gilt auch heute bei Dragonforce: Different day - same show. Das ist okay. Und es packt uns auch heute mehr. Macht es das Bier, oder die bessere Sicht oder die Band, die heute Abend agiler ist, mehr Faxen macht und aufgrund des Heimvorteils wesentlich normaler und witziger mit ihrem Publikum umgeht. Als nach "Soldiers of the wasteland" auf einmal eine Socke auf der Bühne landet, bemerkt Gitarrist Sam, daß der Kleiderschrank bald voll ist - rechnet man das Paar Schuhe von gestern dazu... "Werft einfach weiter, wir brauchen es!" war von Sänger ZP Theart wohl nicht so ernst gemeint. Die nachfolgenden Armreifen, ein BH und diverse Süßigkeiten beweisen das Gegenteil. Im ganzen Wurfgeschoss-Haufen kratzt Bassist Frédéric sogar Geld zusammen, 3 Pfund 50 Pence! Daß so viel Geld einfach auf die Bühne geworfen wird und man dafür genau ein Bier bekommt (ca. 4,50 €/halber Liter) spricht für den mitunter verqueren britischen Humor.
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Doch bei den ganzen Eindrücken abseits der Konzerte, vergisst man schnell die Musik. Ist sie doch das Einzige, was einem von Beginn an vertraut ist. Und Dragonforce geben den Fans, was sie wollen: Ihre Version von Metal der Neuzeit. Mit jede Menge Speed, Spiel(wahn)witz, Songs zum Mitgrölen und einem Mix aus purem Spaß und ernsthafter Hingabe. Während sich Gitarrist Sam mitten im Song den Finger tapen lässt um weiter zu spielen, bekommt Bassist Frédéric vom Roadie Flüssignahrung in Form von Bruder Jack Daniels - auch bei laufenden Songs. Jener Frédéric macht dann auch noch eine gute Figur als Gitarrist, als er Keyboarder Vadim bei dessen völlig abgepfiffenem Solo begleitet. Da konnten die heute anwesenden Mama und Papa Pruzhanov mal sehen, was ihr Filius an den Tasten wirklich drauf hat. Beeindruckend. Genau wie die gesamte Maschinerie Dragonforce. Ich bin mal gespannt, ob Deutschland auch bald den Status der Band nach oben befördert. Als englische Band im eigenen Land dermaßen abgefeiert zu werden, ist ja nicht gerade üblich. Durch das letzte Album ("Inhuman rampage" - 2006) wurde man in den USA mit 300.000 verkauften Einheiten sogar zum erfolgreichsten neuzeitlichen britischen Metal-Act der letzten zwei Jahrzehnte! Und wenn es bei uns nicht so klappt - ein Flug nach London kostet ja nicht so viel. War ein schöner Kurzurlaub!
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Setlist - Turisas
Battle metal A portage to the unknown One more Violinen-Solo In the court of Jarisleif Rasputin To Holmgard and beyond
Setlist - Dragonforce
Heroes of our time Operation ground and pound Reasons to live Fury of the storm The warrior inside Vadim Keyboard-Solo + Frédéric on guitar Revolution deathsquad (04.10.) Soldiers of the wasteland The last journey home My spirit will go on Revolution deathsquad (03.10.)
Valley of the damned Through the fire and flames
Text & Fotos: Siegfried Wehkamp
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