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Konzert: ELECTRIC WIZARD - 25.01.2015 - Berlin

Location: Astra Kulturhaus
Support: Extreme Precautions


Sonntags auf ein Konzert zu gehen, ist für mich am Anfang immer schwierig, denn wenn man den ganzen Tag schon nichts gemacht hat, kommt man auch kaum noch abends vor die Tür. Aber heute soll es sich lohnen. Im Rahmen des CTM Festival Berlin gibt es heute die Doom Titanen Electric Wizard zu hören. Also hin da. Tickets an der Abendkasse gibt es für 28 Euro und um 20 Uhr soll es losgehen.

Zur Primetime um 20:15 Uhr geht's dann mit der "Vorband" Extreme Precautions los. Electric Wizard wollten wohl keine Band als Support-Act, also hat sich das CTM Festival einen DJ ran geholt. Der Franzose Paul Régimbeau, aka Mondkopf, kommt mit seinem Projekt EXTREME PRECAUTIONS. Es ist mal was ganz anderes. Brutal Techno inspiriert von Bands wie Napalm Death, Brutal Truth und Pig Destroyer. Also Grindcore-Techno könnte man sagen. Was der Typ da auf der Bühne abliefert, ist auf jeden Fall ein dickes Brett. Ziemlich schnelle Beats, gefolgt von sehr disharmonischen Wechseln und immer wieder wird durch das Dremmeln der eigene Herzschlag gefühlt leicht verändert. Es gibt sogar ab zehn bis 15 Minuten Spielzeit noch richtig kräftige Shouts ins Mikro. Das war mal ein gelungener Anfang. Musik, die überhaupt nicht zur Hauptband passt und trotzdem bleibt die Halle voll. Das hat schon was zu heißen.

Extreme Precautions

In der Umbaupause hole ich mir ein Bier und checke mal den Merch-Stand. Außer drei bis vier Shirts gibt es da allerdings nicht viel … keine CDs, keine Vinyls oder Sonstiges. Schade. Naja, dann bleibt das Portemonnaie heute mal voller.

Nun kommen die Pychedelic Metal Lords ELECTRIC WIZARD und sie stellen ihr neues Release "Time To Die" vor. Electric Wizard geben rein gar nichts auf den "neumodischen" Stoner-/Doom-Sound. Sie leben noch voll und ganz in den 70ern. Man selbst fühlt sich auch wie in die 70er zurückversetzt. Jedoch nicht so, als würde man zu Pentagram oder Black Sabbath gehen, denn die sind schon ewig alt und man merkt, die 70er sind lange lange her. Den beiden Legenden machen sie zudem auch noch alle Ehre. Die Riffs und Drums sind auf einem musikalisch hohen Niveau. Jus Oborn klingt am Mikro dreckiger als von der Platte, was dem Sound natürlich in keinster Weise schadet. Es ist halt Wüstenrock. Der Gesamtsound ist heute auch super, der Bass lässt den Bauch ordentlich vibrieren. Im Hintergrund der Band läuft die ganze Zeit ein abstruses Video, welches wie ein trashiges SM-Video inklusive Satan und Co. wirkt. Es kommen einige neue Songs vom "Time To Die"-Album, aber auch für ältere Kracher von der "Dopethrone"-Platte ist Zeit. "Legalise Drugs & Murder" darf natürlich auch nicht fehlen und der Nacken wird vom Slow-Motion-Bangen immer schwerer. Knackige zwei Stunden wird das Astra von Electric Wizard bespielt und kaum irgendwelche Leute verirren sich mal nach draußen. Wenn Bier gebraucht wird oder man zur Toilette muss, geht das ganz schnell. Im Großen und Ganzen liefern sie ein sehr solides Konzert ab. Ich habe sie heute zum ersten Mal gesehen und muss sagen, mir fehlt ein wenig der eigene Sound. Für eine Band, die sich 1993 in England gegründet hat, ist das zu viel 70er. Was das wieder wett macht, ist, dass sie es einfach können. Nach zwei Stunden Zeitreise geht's nun langsam wieder nach Hause. Der Sonntagsausflug hat sich definitiv gelohnt. Morgen wird es auf jeden Fall einen ordentlichen Nackenmuskelkater geben.

Electric Wizard

Text & Fotos: Jörg Kandziora
kandziora-photo.de