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Konzert: HATEFEST - 12.04.2015 - Berlin

Location: Postbahnhof
Bands: Six Feet Under, Marduk, Vader, Hate, Debauchery, Eisregen


An einem sonnigen Sonntag wird schon um 16 Uhr zum Hatefest Berlin gerufen. Da ich selbständig bin und auch ab und zu sonntags arbeiten muss, verpasse ich leider die ersten beiden Bands. Aber kurz nach 18 Uhr, die Sonne scheint immer noch, schaffe ich es dann. Zudem wurde durch "logistische Probleme" die Running Order geändert. Somit haben Hate schon den Abend eröffnet (sehr schade für mich). Gefolgt von Debauchery und als drittes soll schon der eigentliche Headliner Six Feet Under spielen. Nach dem Headliner soll es dann mit Vader und Eisregen weitergehen. Der zeitliche Headliner Marduk schließt dann ab. Seltsame Reihenfolge, aber los geht's! Knapp 40 Euro kosten die Tickets.

Für mich ist somit, leider, der Eröffnungsact SIX FEET UNDER. Naja, gleich meine Lieblingsband des Abends zum Anfang ist auch mal was. Die kommen auch mal direkt pünktlich um 18:40 Uhr auf die Bühne, ohne Klimm Bamm (Banner, Aufsteller, etc.) und in gewohnter Manier wird auch gleich losgegroovt. Ursprünglich als Nebenprojekt gestartet, hat die Band mittlerweile auch schon zehn Platten draußen. Chris Barnes, so kommt es mir vor, ist ziemlich schlank geworden. Seine gute 2-Meter-Mecke wird trotzdem ordentlich durch die Luft rotiert. Six Feet Under zeigen, wie man das Publikum ohne viel Gerede animiert. Es bildet sich gleich ein ordentlicher Moshpit, welcher auch der einzige des Abends bleibt. Barnes kreischt sich während dessen die Seele aus dem Hals mit "Die motherfucker, die, die". Auch wenn (außer Barnes) die Bandmitglieder relativ frisch dabei sind, hat die Band keineswegs den Florida-Groove verloren. Für mich werden sie zumindest live immer die groovige Death'n'Roll Band bleiben.

Six Feet Under

Die Umbaupausen liegen so bei ca. 20 Minuten und zu Beginn von VADER wird es auch draußen langsam dunkel, passt dann auch ein wenig mehr zu Death- und Black Metal. Vader knüppeln nach ein bisschen Nebel-Geblase auch gleich los. Das Urgestein des polnischen Death Metals hat nun auch schon elf Platten draußen. Wie es sich in Berlin gehört, gibt's auch gut zwei Dutzend polnische "Groupies", die vor der Bühne ordentlich lautstark Stimmung machen. Vader spielen auch was von der im letzten Jahr heraus ebrachten Platte "Tibi Et Igni" (die hat es sogar in die deutschen Charts geschafft). Mit ihren thrashigen Death Metal-Riffs bringen sie die Halle gut zum Kochen und das selbst nach Six Feet Under. Für mich nach SFU die coolste Combo.

Vader

Nach wieder einer mehr als ausreichenden Umbaupause geht's weiter mit EISREGEN, die eigentlich mit Debauchery den Abend eröffnen sollten. Mit der wohl ruhigsten Band des Abends geht es etwas betagter weiter. Für mich war es perfekt, um etwas zu entspannen nach dem Geknüppel. Der Dark Metal der Band ist schon was anderes, als die heutigen Black und Death Metal Bands. Die Fans sind allerdings in guter Form, es schallen mehrmals laute "Eisregen!"-Rufe. Ich sehe Eisregen heute das erste mal live und finde es äußerst amüsant, wie der Sänger Michael Roth (aka "Blutkehle") mit seiner "Gesangsstimme" zwischen den Songs weiterredet. Eisregen liefern auf jeden Fall eine solide Show ab. Sound und Licht passen prima.

Eisregen

Nachdem ich ausgiebig den Merch-Stand besucht habe und heute mal nichts für mich dabei ist, geht's nun zur letzten Band des Abends. Die mächtigen MARDUK kommen auf die Bühne. Nicht die eigentlichen Headliner, aber durch die Verschiebung sind sie doch mal an die Spitze gerutscht. Die Schweden dremmeln mit ihrem Black Metal-Geklatsche gleich los, nachdem sie die Bühne vollkommen in Nebel gehaucht haben. Man sieht die meiste Zeit nur Lichter, Schatten und immens viel Nebel auf der Bühne. Mit ihren zwölf Langspielern seit 1990 haben sie ordentlich Songs in petto. Es wird was von "Panzer Division Marduk" zum Besten gegeben. Die Fans gehen ordentlich ab, Pits wie bei SFU entstehen aber nicht. Mit Erik "Legion" Hagstedt - als einziges Gründungsmitglied noch in der Band - haben Marduk nicht mehr die starke Besetzung der 90er. Das hält sie jedoch nicht davon ab, zu zeigen, was man unter Knüppeln eigentlich versteht. Trotz des frühen Beginns wird's ziemlich spät. Hat man selten, so schön lange Spielzeiten bei solchen Touren. Lob an das Hatefest.

Marduk

Als lustiges Nebenerlebniss gibt es zu berichten, dass, als ich ankam (während Debauchery wohl ihren letzten Song gespielt haben), eine ziemlich unscheinbare Mutter mit zwei Kinder zwischen acht und zwölf Jahren rausgekommen sind und derbe mit Debauchery-Merch ausgestattet waren. Sieht man auch nicht alle Tage ...

Text & Fotos: Jörg Kandziora kandziora-photo.de