Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Festival: STONED FROM THE UNDERGROUND

Am zweiten Juli-Wochenende geht es zum Stoned From The Underground nach Erfurt-Stotternheim, eines der größten Stoner-/Doom-Festivals Deutschlands. Das Festival geht von Donnerstag bis Samstag, zelten kann man sogar von Mittwoch bis Montag Früh. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Gelände ein Badesee (ca. 50 m vom Festivalgelände-Eingang entfernt). Mit nur 23 Bands an drei Tagen ein sehr entspanntes Programm, aber was erwartet man auch anderes auf einem Stoner-Festival?

Dafür fangen schon die ersten Bands des Tages mit einer Spielzeit von 40 Minuten an, was mir sehr gut gefällt, da unter den Openern einige "Geheimtipps" vertreten sind. Jede Band hat eine respektvolle Zeit zum Spielen und zwischen den Bands sind mindestens 20 Minuten Umbaupause. Im Klartext: man kann entspannt jede Band sehen (wenn man denn wollte) und sogar noch zwischendurch mal zum Zelt, da man bei rund 3.000 Besuchern auch dahin nicht lange braucht. Der Preis für das Festival-Ticket liegt bei 69 Euro.

Donnerstag, 09. Juli

Donnerstag, 17 Uhr, gerade angekommen und gleich das Zelt aufgebaut. Die erste Band FIZZT fängt gerade auf der Zeltbühne an zu spielen. Ich beeil mich, damit ich es noch pünktlich zu High Fighter nach vorne schaffe. 18 Uhr beginnt also für mich das Festival mit HIGH FIGHTER. Noch kaum mit dem Festival vertraut gemacht, beginnt die Hamburger Combo auch schon mit schönem bluesigen Sludge loszuwalzen. Mit erst einer EP schaffen sie es trotzdem, das Programm gut zu füllen. Sängerin Mona Miluski wechselt dabei immer wieder von ziemlich hohem, cleanem Classic Rock Gesang in dunkle, harte Sludge Growls. Weiterhin gibt's noch zwei Gitarristen, einen Bassisten und einen Drummer, der auch ab und zu mal ins Mikro growlt. Die Band geht insgesamt schon ziemlich gut auf der Bühne ab, es gibt niemanden, der sich nicht ordentlich bewegt. Mit ihrer Mucke gehören sie auf diesem Festival auch zu den härteren. Ich sehe sie zum ersten Mal und bin total überzeugt. Für mich ein perfekter Einstieg in das Festival.

High Fighter

Als nächstes stehen WEDGE auf der Hauptbühne. Die ersten beiden Bands des Tages spielen immer auf der Zeltbühne. Warum nicht alle auf einer Bühne spielen, weiß ich nicht wirklich. Ich denke mal, um einfach bei den kleineren Bands eine gewisse Clubatmosphäre zu schaffen. Wenn das der Plan ist, haben sie es geschafft. Wedge wussten erst zwei Tage vorher von ihrem Auftritt beim Stoned From The Underground, da sie Stoned Jesus ersetzen, die leider kein Visum aus der Ukraine bekommen haben und dadurch ihre Tour absagen mussten. Schade, ich habe mich sehr auf die Ukrainer gefreut, aber Wedge aus meiner Heimatstadt Berlin sind auch super. Die Dreier-Combo, die sich erst Anfang 2014 gegründet hat, habe ich bis dato noch nicht gesehen. Sie spielen Heavy-Psych-Hardrock im 60er/70er Stil. Das haben sie auch voll drauf. Sehr ambitioniert bewegt sich Sänger und Gitarrist Kiryk auf der Bühne von einem Ende zum anderen. Zudem hat Bassist David vor sich auch noch eine E-Orgel/ein E-Piano zu stehen, womit die drei dann noch sehr instrumental sind. Diese Band ist eine Zeitreise in eine Zeit lange vor meiner.

Als nächstes stürmen die Schweden DEAD LORD auf die Bühne. Wenn man diese Band sieht, fühlt man sich auch in einen 70er-Jahre-Film versetzt. Sie spielen aber für ihren "Thin Lizzy-Sound" sehr modern. Es dominieren sehr starke Riffs und eine kraftvolle Stimme. Es windete zu dem Zeitpunkt sehr stark in Richtung der Bühne, was dem Look sehr zu Gute kommt. Mit dem Schnurrbart in Richtung Abendsonne wehen die langen Haare im Wind und es ertönt wahrer 70er-Sound. Zudem ist das Quartett sehr aktiv auf der Bühne. Man bekommt bei der Musik und dem Anblick einfach richtig gute Laune. Die Senkrechtstarter spielen auch noch ziemlich sauber. Ich bin überzeugt.

Dead Lord

Nach Dead Lord geht's erstmal zum Zeltplatz einen Pullover holen, denn es wird jetzt durch den Wind doch ganz schön frisch und trotzdem schaffe ich es noch pünklich zu GREENLEAF. Die nächste Band, die aus Schweden kommt. Die im Jahr 1999 gegründete Band zählt wohl zu den ältesten Bands, die bis jetzt gespielt haben. Es wird jetzt vom Sound allerdings etwas moderner. Es gibt richtig schönen Stoner-Rock auf die Ohren. Als Nebenprojekt gestartet (unter anderem von Dozer-Mitgliedern), haben sie mittlerweile einen Status als eigene Band erreicht. Sie spielen richtig schönen Stoner, wie er mir gefällt: sehr rockig und mit Arvid Jonsson gibt es eine sehr geile Stimme am Mikro. Teilweise ist die Band auch sehr verspielt und progressiv. Es wird dem Publikum auch ein neuer Song namens "A Million Fire Fly" präsentiert. Für mich das Highlight das Tages - die werde ich nach dem Festival noch öfter hören!

Greenleaf

Es wird dunkel und der Headliner am Donnerstag betritt gegen 22:45 Uhr die Bühne. RADIO MOSCOW, die erste Band aus den Staaten. Das Trio gibt es auch schon seit 2003 und gefallen wohl jedem, der Stoner, Psych und Blues mit zusätzlichen Einflüssen des Countrys mag. Ich kenne sie noch nicht so lange und mich erinnern sie bei einigen Songs direkt an Clutch, was ich richtig gut finde. Musik, bei der man automatisch zwischen den Songs "yeehaa!" brüllen muss. Die Einflüsse von Black Sabbath und Hendrix spiegeln sich auch in ihrem Können wieder. Richtig gute und verspielte Soli gibt es hier auf die Ohren. Trotz der relativ "soften" Musik, bewegt sich nun auch das Publikum stärker. Es kommen die ersten Crowdsurfer von hinten nach vorne. Was für eine Show und ein krönender Abschluss für den Donnerstag!
Es geht bis ca. Mitternacht, danach gibt es noch die Möglichkeit, bis morgens im Zelt bei der Aftershow Party zu feiern. Jetzt wird die Kamera und der Notizblock weggelegt und noch das Festival genossen.

Radio Moscow

Freitag, 10. Juli

Am zweiten Tag hat man mal ein wenig Zeit, um den Zeltplatz und den See zu begutachten. Der See ist richtig schön und eine wunderbare Abkühlung (jedes Festival sollte einen haben).
Für mich beginnt der Tag heute mit NICK OLIVERI (Bassist bei Kyuss, Queens Of The Stone Age, etc). WHITE MILES, die erste Bands des Tages, lasse ich aus, da ich erst mal ein wenig entspannen und den See und den Zeltplatz genießen will. Nick Oliveri hat ein Akustik-Gitarren-Programm auf dem Plan, bei dem er unter anderem Songs von Kyuss und Queens Of The Stone Age spielt. Er hat auch die genau richtige rauchige Stimme für so ein Programm. Es werden Hits gespielt wie "Green Machine", "Love Has Passed Me By" (Kyuss), und "Autopilot" (Queens Of The Stone Age). Die Leute gehen gut ab, obwohl nur eine Person auf der Bühne steht. Nicht schlecht!

Nick Oliveri

Als nächstes kommt eine Band, die mir von unseren Zeltplatznachbarn empfohlen wurde. Und es hat sich auch absolut gelohnt, der Empfehlung nachzugehen. Denn die drei von MOS GENERATOR rocken auf der Bühne richtig ab! Genau so stellt man sich eine biertrinkende, groovende Südstaaten Combo vor. Bereits im Jahr 2001 gegründet, grooven sie von Anfang bis Ende durch ihr Set. Tony Reed, Sänger und Gitarrist, hat auch eine sehr geile groovende Stimme (erinnert an Red Fang), zudem kann er aber auch noch ein wenig höher und melodischer singen. Schwere Riffs und Drums vervollständigen den Sound noch. Man kann seine Beine kaum stillhalten. Auch die Fans sind am Freitag Nachmittag auch schon guter Laune und in Tanzstimmung. Bis jetzt mein zweites Highlight. Die Jungs aus Bremerton, Washington haben sichtlich Spaß auf der Bühne und reißen die Zuschauer mit!

Mos Generator

Danach kommen THE MIDNIGHT GHOST TRAIN auf die Bühne, die Band mit dem wohl längsten Namen im Line Up. Musikalisch ähnlich wie die Vorband, bloß ein bisschen härter, legt die ebenfalls aus den USA kommende und ebenfalls aus drei Personen bestehende Combo auch deftig los. Was gleich auffällt, ist, dass Sänger und Gitarrist Steve Moss eine viel dunklere, growlendere Stimme hat. Der Gesamtsound ist auch etwas tiefer angehaucht. Die tiefer gestimmte Gitarre und der Bass machen den Sound sehr schwer, aber dennoch groovend. Die 2008 gegründete Band hat schon eine EP und vier LP's draußen, die letzte "Cold Was The Ground" ist erst im Februar erschienen. Die sehr kräftig gebauten Herren auf der Bühne nutzen jede Chance um zu bangen, was das Zeug hält. Mittlerweile kann ich mich nicht mehr entscheiden, welche Bands ich am besten im Line Up finde und einiges kommt erst noch. The Midnight Ghost Train sind auf jeden Fall auch ganz vorne mit dabei.

The Midnight Ghost Train

Als nächstes kommt die australische Heavy Rock-Band MAMMOTH MAMMOTH auf die Bühne, die einen sehr groovenden Sound an den Tag legt. Die Band ist 2007 in Melbourne entstanden. Man hört gleich die Rock'n'Roll Einflüsse à la Motörhead raus. Es gibt nicht wenige Songs mit Ohrwurm-Charakter, was wohl an den sehr eingängigen Refrains liegt. Mir persönlich ist der Gesamtsound aber zu etwas glatt, es fehlt das dreckige im Wüstenrock. Mammoth Mammoth ist wohl die radiotauglichste Band des Festivals. Auf der Bühne probieren sie den Leuten ordentlich einzuheizen. Sänger Mikey Tucker post viel herum und spritz mit Bier in die Menge. Sie versuchen, einen guten Redneck-Style einzuhalten, Cowboy-Hut hier, Trucker-Cap da und die Flieger-Brille darf auch nicht fehlen.

Mammoth Mammoth

Die nächste Band DOZER lasse ich mal aus, um mir eine Pause zu gönnenund ein wenig die Merchstände anzugucken. Ich habe aber gehört, dass Dozer echt gut gewesen sein sollen ...
Es gibt schön viele Platten zu kaufen. Schade, dass es am offiziellen Merchstand keine Vinyls, sondern nur T-Shirts von den spielenden Bands gibt. Denn von der nächsten Band hätte ich mir gerne eine gekauft. Denn jetzt kommen ELDER auf die Bühne. Bei dem Trio aus den USA gibt es kaum ein Album, was weit unter 60 Minuten geht. Das heißt, es gibt richtig schön lange verspielte Intros. Es wird von langsamen Parts in ziemlich schnelle gewechselt. Eine sehr progressive Band, die voll überzeugt. Musikalischer Hochgenuss und das mit nur drei Leuten. Der Gesang von Nick DiSalvo ist nicht wirklich außergewöhnlich, passt, so minimalistisch wie er ist, aber prima in das Konzept. Teilweise sehr schwere Gitarren, bis zu sehr verspielten Soli. Das Konzert stimmt von vorne bis hinten. Der perfekte Co-Headliner des heutigen Tages ...

Elder

Denn der Headliner kommt jetzt: Mr. JOHN GARCIA. Da ich Kyuss nie sehen durfte und auch noch nie Vista Chino oder Garcia gesehen habe, freue ich mich schon die ganze Zeit auf das Konzert. Im Hinterkopf ist aber die ganze Zeit der Gedanke, dass es enttäuschend werden könnte und nicht typisch nach Kyuss klingt. Seine Band und er fangen mit seinen aktuellen Songs an. Mit dabei: "My Mind". Gefällt mir schon mal ziemlich gut. Nach ein paar Songs geht aber das los, worauf wohl alle gewartet haben: Garcia plays Kyuss. Es werden wohl die ganzen Hits gespielt, von "Green Machine" über "One Inch Man" bis "El Rodeo". Die Show ist richtig gut, besser als ich es erwartet hätte. Ich hätte nicht gedacht, dass Garcia und Band die Kyuss-Songs so gut rüber bringen. Zum guten Schluss kommt dann auch noch Nick Oliveri auf die Bühne und spielt ein paar Songs auf seinem Bass mit. Der aktuelle Bassist verschwindet deswegen aber nicht, es spielen zu der Zeit beide auf der Bühne. Das sieht man auch nicht alle Tage. Es war ein richtig schönes Konzert und technisch und vom Sound her sehr schön sauber. Jetzt hole ich mir erst mal ein kaltes Bier und setze mich ans Wasser und genieße den Moment.

John Garcia

Samstag, 11. Juli

Der Letzte Tag fängt an. Heute spielen für mich nochmal richtig coole Bands gleich zum Anfang. Aber erstmal geht auf dem Zeltplatz das Gerücht rum, dass spontan eine Band am Strand spielt, also hin da. Am Strand angekommen und leider nur noch die letzten drei Töne gehört … schade!
Naja, kurz mal reinspringen ins kalte Nass, dann nochmal zum Zeltplatz und dann The Moth aus Hamburg angucken. Aber auf dem Weg zum Zelt spielt erstmal gleich 50 Meter von meinem Zelt entfernt eine Zeltplatz-Band. Na, die kann ich mir noch anschauen. Es hat sich auch gleich eine ziemlich große Traube um die Band gesammelt. Musik klingt erstmal verdammt gut. CHURCH heißen sie und kommen aus Leipzig - um die Ecke quasi. Die Band ist mit einem Van zum Festival gekommen und hat die Schlagzeugerin gleich drinnen gelassen, die aus dem Van heraus trommelt. Der Rest der Band hat sich vor dem Van positioniert. Der Sänger hat einen richtigen coolen Mikroständer aus einem Ast. So sieht cooler Wüsten Rock aus und es klingt auch so. Ich kann mir leider nur vier, fünf Songs angucken, da ich nach vorne zu The Moth muss. Hat mir aber gut gefallen das Quartett.

Church

Im Zelt angekommen, fangen THE MOTH auch gleich an. Es tischt mal wieder eine Sludge Band auf, die nach den ganzen "soften" Klängen mal wieder für eine schöne Abwechslung sorgt. Und ich sehe zum ersten Mal auch die erste Band auf der Zeltbühne. Es stehen drei Leute auf der Bühne. Es gibt weiblichen und männlichen Gesang und einen dreiseitigen Bass (mehr brauch man ja eigentlich auch nicht ... ). Die Hamburger haben sich im Oktober 2012 gegründet und standen schon bereits mit Phil Anselmo, Conan und Kadavar auf einer Bühne. Es gibt schnelle, thrashige Riffs und richtig langsame Doom/Sludge Bomben. So wie eine Sludge Band zu klingen hat. Dass zwei Leute singen, Gitarrist Freden und Bassistin Cécile, gibt noch einen schön eigenen Touch in ihrer Musik. Coole Show!

The Moth

Als nächstes kommt noch eine Hamburger Band auf die Bühne. Also zum Teil, Gitarrist und Sänger Rhys von POWDER FOR PIGEONS kommt eigentlich aus Australien. Das ist eine Zweierformation, die einen richtig dicken Stoner Sound los lässt, bei dem man nicht erwartet, dass er von nur zwei Leuten kommt. In einem Interview habe ich mal gelesen, dass sie fast jeden Tag proben, somit würde sich auf jeden Fall der Sound der doch noch sehr jungen Band erklären. Respekt. Man sieht auch, dass die beiden richtig Spaß auf der Bühne haben und das merkt auch das Publikum. Sie gelten als kleiner Geheimtipp auf dem Festival und spätestens jetzt wissen die meisten, dass die noch Großes vor sich haben. Der Gesang geht von Klarem, über Verzerrtem, bis hin zu Geschrei. Zwei super Bands zum Anfang plus Zeltplatz-Band, so kann der letzte Tag beginnen.

Powder For Pigeons

Die nächsten beiden Bands TRICKY LOBSTERS (D) und HONEYMOON DIESEASE (SWE) lasse ich aber aus, um am heißesten Festival-Tag ein wenig Zeit am Strand zu verbringen, und fit für den Fünf-Band-Marathon ab 17 Uhr zu sein.

Nach meiner Pause geht es mit den rein instrumentalen Niederländern MONOMYTH weiter. Das Quintett ist wohl die instrumentenreichste Band des Festvials. Hier wirst du mit Bass, Schlagzeug, Keyboard, Gitarre und Synthesizer in eine Welt des Space, Trance und Krautrock reingezogen. Es dauert oft sehr lange, bis ein Song entsteht. In der Regel spielen alle Instrumente erst ab Minute eins oder zwei. Die Musik ist sehr ruhig, bestimmt die Ruhigste im Line Up. Das sind wohl die perfekten Klänge, um sich auf die Wiese im Schatten eines Baumes zu legen und die vorbeiziehenden Wolken zu beobachten oder einfach ganz die Augen zu schließen und nur zu hören. Leider gibt es nicht allzu viel Schatten auf dem Gelände, aber einige Bäume sind vorhanden. Super Sonntags Musik.

Monomyth

Als nächsten kommen DANAVA auf die die Bühne. Die Amerikaner vereinen in einer Leichtigkeit sehr viele Genres. Hier wird zwischen Stoner, Progressive, Space und Retro gewechselt - und das teilweise in einem Song. Es wird ein sehr abwechslungsreiches Set gespielt. Die vier Dudes aus Oregon lassen es sich auch nicht nehmen, in der prallen Sonne eine Jim Beam Flasche auf der Bühne zu leeren. Die im Jahre 2003 gegründete Band erinnert in einigen Songs sehr an Black Sabbath, ähnlich verspielt, ähnlich hohe Stimme. Im Großen und Ganzen haben sie schon einen ziemlichen 70er Sound drauf, der aber nicht langweilig wird. Es ist qualitativ sehr hochwertig, was die Herren da auf der Bühne abziehen, mit den schnellwechselnden und verspielten Gitarren. Wenn man die Augen schließt, fühlt man sich gute 45 Jahre zurück versetzt. Wer das erleben will, sollte sich mal das Live-Album vom Roadburn Festival anhören oder einfach zu einen Konzert gehen - es lohnt sich.

Danava

Nun kommt eine der bekanntesten und ältesten Stoner Bands, die die deutsche Szene zu bieten hat. Ja richtig, die fast ausschließlich instrumentale Berliner Combo ROTOR. Im Vergleich mit Monomyth sind Rotor aber um einiges flotter und härter. Auch wenn die Band "erst" 1998 gegründet wurde, ist sie für die deutsche Stoner Szene ein fester Grundstein. Rotor haben einen ziemlich groovenden und progressiven Stoner Sound, der einigen Bands auf dem Festival zeigt, wie man auch ohne Sänger richtig rockt. Nicht ohne Grund sind sie auch außerhalb der deutschen Grenzen in der Szene sehr bekannt. Im September soll ihr fünftes Album auf den Markt kommen, gefolgt von einer dicken Deutschland Tour. Darauf freu ich mich jetzt schon.

Rotor

Co-Headliner des letzten Abends auf den Stoned From The Underground sind PALLBEARER aus den USA. Die Jungs machen Doom Metal der alten Schule mit ihrer Interpretation modern. Es wird progressiver, sehr schwerer Sound und eine Hammer Stimme draufgepackt. Die richtig tief gestimmten Gitarren-Riffs mit der doch sehr hohen und eindrucksvollen Stimme von Brett Campbell machen einen sehr starken Sound. Die vier Jungs die sich gerade mal 2008 gegründet haben und erst 2012 ihr Debütalbum "Sorrow And Extinction" rausgebracht haben, haben sich in der Stoner/Doom Szene ganz schön nach oben gespielt. Letztes Jahr kam ihre zweite und aktuelle Scheibe "Foundations Of Burden", die schon ziemlich reinhaut. Das ist eine Doomwalze, wie man sie vor Elektric Wizard haben will.

Pallbearer

Die Headliner des letzten Tages, sind die Doom-Lords aus Groß-Britannien: ELECTRIC WIZARD. Erst im Januar waren sie mit ihrer aktuellen Platte "Time To Die" unterwegs, wo ich sie schon in Berlin gesehen habe. Die 1993 gegründeten Briten haben wohl auf dem Stoned From The Underground die meisten Fans, zumindest sieht das Gelände jetzt am vollsten aus. Es werden natürlich ihre schweren Geschosse "Dopethrone" und "Return Trip" ausgepackt. Die Stimme von Jus Oborn finde ich diesmal relativ schwach im Vergleich zum gesamten Sound der Band. Die Songs sind gewohnt sieben bis 14 Minuten lange Doomwalzen. Lange eintönige Nackenbrecher-Riffs beanspruchen nach drei Tagen den Nacken nochmal richtig. Zum Ende kommen dann noch "Time To Die" und "Funeralopolis". Die Setlist ist mit der vom Januar ziemlich identisch. Mich reißen Electric Wizard heute leider nicht ganz vom Hocker, aber ich habe heute vielleicht auch schon zu viele Hammerbands gesehen. Trotzdem ein sehr gelungenes Konzert.

Electric Wizard

Das Schöne an dem Stoned From The Underground ist, dass der letzte Tag ein Samstag ist und man den ganzen schönen langen Sonntag Zeit hat, um gemütlich nach Hause zu fahren und noch ein wenig zu entspannen. Es war mir eine Freude, hier komme ich gerne wieder! Super lange Spielzeiten, sehr moderate Getränke- und Essenspreise, ein See direkt davor und extrem gute Musik!


Text & Fotos: Jörg Kandziora
kandziora-photo.de