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CLUTCH - Psychic Warfare

VÖ: 02. Oktober 2015
Weathermaker Music

Clutch - ein Name wie aus der Comicsprache. Auf dem Cover der aktuellen Scheibe ein Panzer und der Schriftzug "Psychic Warfare". Mit was haben wir es zu tun? Einer vierköpfigen Kapelle aus Maryland, USA. Und obwohl der Durchbruch außerhalb bestimmter Subkulturen in Deutschland erst 2013 mit der Platte "Earth Rocker" gelang, haben die Jungs bereits 14 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel. In dieser Zeit schaffte man 24 Veröffentlichungen, zählt man Live-Alben und Kompilationen mit. Was verspricht uns die Platte mit dem Panzer und dem dazu (un)passenden Titel nun?
Man kann Clutch in jedem Fall bescheinigen, dass sie es als eine der wenigen Bands schaffen, eine nicht unerhebliche musikalische Entwicklung, vom Hardcore Punk zum Retro-Blues-Stoner durchzumachen, ohne dabei irgendwie Glaubwürdigkeit oder, so meine Beobachtung, Fans zu verlieren. Hätten Black Flag oder Minor Thread plötzlich das Genre gewechselt, wäre die Empörung groß. Bei Clutch klappt es seit über einem Jahrzehnt, so auch bei der aktuellen Scheibe. Man entwickelt sich von den Anfängen ganz langsam in Richtung Retro Rock. "Psychic Warefare" ist bluesiger denn je, darüber kann auch der flotte Opener "X-Ray Visions" nicht hinwegtäuschen. Begeistern tut auf diesem Album nämlich vor allem der Touch von Hendrix und von Led Zeppelin, der zwar schon vorher da war, aber nun wirklich unüberhörbar ist, vor allem bei "Your Love Is Incarceration" oder "Our Lady Of Electric Light". Dass die Jungs dabei ihren Biss nicht verlieren, wie beim angesprochenen Opener oder dem Stück "Noble Savage", ist beruhigend. Mit "A Quick Death In Texas" ist auch die typische Note Funk zu vernehmen, die jedoch bei weitem nicht dominant ist. Langeweile fehlt völlig. Philosophische Abhandlungen über das Leben sucht man genauso vergeblich, wie progressive, ausgefeilt arrangierte, technisch anspruchsvolle Stücke à la Mastodon. Aber wozu auch? Die Produktion ist unauffällig und passt sich gut an die Stimme von Sympathie-Bart Neil Fallon an.
Was gibt es also überhaupt zu kritisieren? Klar, wenn Clutch diesen Weg weitergehen, weg vom Speed, hin zum Blues, werden sich Die Hard Hardcore-Fans möglicherweise abwenden. Aber "Psychic Warfare" ist auf einem technisch so hohen Niveau, dass man absolut den Eindruck haben kann, dass die Entwicklung der Musik mit der Entwicklung der Menschen hinter der Band im Einklang steht. Es wird die Szenepolizei hier und dort sagen, Clutch sind (wieder) poppiger geworden. Die Parallelen zu Red Fang fallen auf. Beides ist Stoner Rock mit (inzwischen) viel Bluesanteil, Red Fang vielleicht noch ein wenig härter, beide jedoch auf dem Retro Weg. Sollte das Popmusik sein, hat sie noch nie so viel Spaß gemacht! (jh)

9/10