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METAL FROM FINLAND COLLECTION (Various Artists)

VÖ: 17. Oktober 2014
Outlanders Productions

Einen Sampler zu rezensieren, gestaltet sich immer etwas schwieriger. Man bekommt eine ganze Ladung verschiedener Bands und unterschiedlicher Musikstile vorgesetzt. Da fällt es durchaus nicht leicht, ein Urteil zu fällen, vor allem, wenn man auf dem Sampler sowohl Stücke vorfindet, die man gar nicht mag, als auch Songs, die einem echt verdammt gut gefallen.
So ist es dann auch bei dem mir vorliegenden Sampler aus dem Hause Outlanders Productions. Der Sampler heißt "Metal From Finland" und der Name ist Programm. Was erwartet den geneigten Hörer? Kurzum wird hier ein wahres Potpourri an musikalischen Ergüssen aus verschiedensten Genres und Subgenres dargeboten, so ist auch wirklich für jeden Geschmack was dabei, vorausgesetzt, man steht auf stark gitarrenlastige Musik.
Man könnte jetzt hingehen und wirklich jeden Song einzeln vorstellen und analysieren. Das würde aber den Rahmen eines Reviews gehörig Sprengen und natürlich auch ein wenig die Spannung nehmen, einmal selbst reinzuschnuppern und sich wirklich alle Tracks einmal anzuhören.
Geboten werden hier 26 Tracks auf zwei CDs mit einer Gesamtspielzeit von etwa zwei Stunden - nicht mehr, nicht weniger.
Die einzige Band, von der man als durchschnittlicher Metal-Konsument mal gehört haben könnte (und zu deren kürzlich erschienenem Album ich ebenfalls ein Review verfassen durfte) ist Frosttide, die auch den ersten Track des Samplers spendieren. Wer Wintersun und Ensiferum mag, der wird auch an Frosttide eine Menge Freude haben, klingt die Band doch wie ein uneheliches Kind der beiden etablierten, nordischen Metal-Truppen.
Was darauf folgt, ist eine bunte Mischung aus allerlei vorstellbaren Genres und Genrekombinationen. Von seichtem Indie-Rock, über Pop-Punk, Heavy Metal, Thrash, Metalcore bis hin zu diversen Death Metal-Kombos ist alles dabei. Wie es aber für Finnland üblich ist, überwiegt der Anteil an Melodic Death gegenüber den anderen Spielarten. Festzuhalten ist aber, dass keine der Bands bisher zu großem Ruhm oder Aufmerksamkeit gelangt ist. Das mag bei einigen verständlich sein, andere Kapellen haben aber durchaus Potenzial und präsentieren sich hier in bestem Gewande.
Besonders hervorzuheben sind hier zum einen Mad Hatter's Den, die den wunderbar frischen und thrashigen Song "Welcome To The Den" beisteuern. Die Nummer macht Spaß, klingt alles andere als eingestaubt und hat einen leichten Touch von frühem amerikanischem Power Metal.
Weiteres hörenswertes Material liefern Division XIX mit dem Song "Mobilization". Ein wunderbar hartes Brett, das sich gleich beim ersten Durchlauf seinen Weg in das Gehör des geneigten Hörers prügelt.
Den runden Abschluss der ersten CD des Samplers bilden die beiden Truppen Viper Arms und Wrathrone.
Mit Viper Arms bekommt man eine schöne "female fronted"-Nummer im 80er Hard Rock-Stil, die gut unter die Haut geht. Wrathrone hingegen stellen einen Vertreter eines eher selteneren Genres. Death'n'Roll haben die Musiker sich auf die Fahnen geschrieben, eine Kombination aus Rock'n'Roll-Elementen und überwiegenden Death Metal-Elementen. Eine sehr interessante Kombination.
Die zweite Scheibe wird dann bombastisch von Enthring eröffnet. Hier werden symphonische Elemente mit Death Metal vermischt. Das klingt seltsam, funktioniert aber erstaunlich gut und lässt neben einem einzigartigen Höreindruck, auch ein zufriedenes Lächeln zurück. Nebenbei fängt man geradezu unweigerlich an mit dem Kopf im Takt zu nicken.
Mittendrin kommen dann noch einmal Among The Prey um die Ecke, und das erste was einem in den Sinn kommt ist "Yepp, das ist Metalcore". Sehr standardisiert und nicht gerade die Neuerfindung des Rades - lässt sich aber durchaus gut hören. Ähnlich geht es bei Prayed And Betrayed weiter. Laut Bandpage steht Death Metal drauf, starke Core-Enflüsse sind hier offensichtlich vorhanden und geben sich ein Stelldichein mit Melo Death-Elementen.
An wirklich guten Stücken bleiben dann noch die beiden Songs von Thyrien und Torchia. Beide Bands bieten schönen und sauberen Melo Death. Thyrien bedienen sich dabei leichten Folk-Einflüssen und geben somit auch wieder einen Beitrag zum Sampler dazu, der Fans von eingangs bereits erwähnten Wintersun gefallen könnte.
Torchia hingegen liefern zu den melodischen Anteilen noch ein nettes Geknüppel mit rauen, kratzigen Vocals.
Starke Geschmackssache, auch auf den Punkt bezogen, ob die Songs wirklich richtig auf einem Metal-Sampler platziert sind, sind die Beiträge von Cry Of Pain, Embassy Of Silence, Crimsonic und Block Of Flats. Bei meiner Recherche zu Cry Of Pain habe ich mehrfach Vergleiche zu Sunrise Avenue gefunden, die nach der Hörprobe auch mehr als gerechtfertigt erscheinen.
Embassy Of Silence bieten unter dem Banner "Progressive Gothic" eine Nummer, die poppiger nicht sein könnte und beinahe Zahnschmerzen auslöst.
Crimsonic bieten eine leiche Rock/Hard Rock-Nummer - ist zwar kein Metal, kommt aber aus Finnland. Nichts Besonderes, sowohl in positiver, als auch negativer Hinsicht. Kann man hören, muss man aber nicht. Zu guter Letzt findet man dann noch Block Of Flats. Pop Punk im Stile von Sum41, Green Day, Blink182 oder wie sie alle heißen. Mir gefällts, Metal ist das aber auch nicht.
Summa summarum bleibt ein solider Sampler, der Lust auf mehr Material der Bands macht. Eine gute Mischung und zum Teil wirklich gute Bands geben sich hier die Klinke in die Hand und machen das Hören der beiden Silberlinge angenehm und kurzweilig. (cl)

8/10